Die Wirtschaftskrise

Tanz - Logo

Raus aus dem Geklumpe! Soll man der zeitgenössischen Tanzszene Böses wünschen? Nein, das geht doch nicht. Sie hat es sowieso schwer genug. Tanz ist marginalisiert im Vergleich zu den anderen Künsten, beutet sich unaufhörlich aus. Immer fehlt es an allen Ecken und Kanten.

Nur wie, fragt man sich, konnte es sich die Szene trotz all dieser Widrigkeiten so gemütlich miteinander einrichten? Warum kommt man überhaupt auf die Idee, immerzu im Plural zu sprechen, wo doch jeder Künstler eine Einzelerscheinung sein sollte?

Vernetzung lautet seit mindestens zwei Jahrzehnten das Zauberwort, mit dem die Not der Tanzszene gelindert werden soll, man miteinander stärker werden will. Das ist logisch, und es hat ja eine Weile auch ganz gut geklappt. Nur scheint diese Dynamik sich verselbstständigt zu haben und seit einer Weile schon ins Gegenteil zu kippen. Aus der Vernetzung ist auch ein Verschmelzen des Denkens und der Ansätze geworden. Alles scheint wie ein einziger, öder Brei. Die Choreografen mögen zwar unterschiedliche Handschriften und Themen haben – aber irgendwie haben ihre Stücke trotzdem alle ein wenig den gleichen Geschmack, den gleichen Duktus.

Der Grund: Man konkurriert nicht mehr, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Kommentar, Seite 144
von Michaela Schlagenwerth

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gintersdorfer / Klassen

Fast wäre Monika Gintersdorfer eine ganz normale Regisseurin am Stadttheater geworden. Lauter deutsche Erstaufführungen, routinierte Textbehandlung, eloquente Übersetzungen junger Autoren. So ging es von der Studiobühne zu den Salzburger Festspielen. Dort hat man ihr auf die Finger gehauen. Zum Glück. In einer Aktion namens «Ausziehen» zerschmetterte sie darauf in...

Cayetano Soto

Höchste Zeit, dass dieser Choreograf seine überbordenden Ideen, seine szenischen Verrücktheiten, Bewegungsfantasien und Multimedia-Experimente endlich dosiert und auf ein abendfüllendes Stück verteilt.
Cayetano Soto ist ein Schnelldenker mit einem Problem: Er kann seine Fantasien kaum disziplinieren. Bislang hat der 1975 geborene Spanier mit kürzeren Produktionen...

Der Hamlet - Darsteller

In der Universität der Toten reißt das Ballett der toten Frauen in Heiner Müllers «Hamletmaschine» dem Hamlet die Kleider vom Leib, und Ophelia tanzt einen Striptease. Hamlet tanzt mit Horatio. Der Hamletdarsteller legt Maske und Kostüm ab: «Ich bin nicht Hamlet.», (1977, Uraufführung 1979). Und kehrt 1998 wieder bei Jérôme Bel: «I am not Hamlet.» Der...