Kalter Krieg

Kann man wirklich Frieden schaffen mit den Waffen der Kultur? Tim Scholl erinnert an Zeiten, als sich Ost und West auf Spitzenschuhen gegenüberstanden.

Tanz - Logo

Dass namhafte Ballettkompanien auf internationale Tourneen gehen, ist heute vorrangig ökonomisch motiviert. Freizügigkeit, die notwendige Voraussetzung, wenn wie jüngst das englische Royal Ballet nach Kuba reisen kann, erscheint als eine Selbstverständlichkeit. Unterwegs verströmen die reisenden Künstler zwar die warme Botschaft der Völkerverständigung beim gemeinsamen Kunstgenuss. Politische Sprengkraft hat das aber keine.

Zu Zeiten des Kalten Kriegs, als Kulturaustausch nicht «Damenprogramm» war, sondern im Graubereich zwischen Außen- und Verteidigungsministerium verhandelt wurde, da verkörperte das Ballett das klassische Wettrüsten auf dem Terrain geteilter Ideale. Wie Astronauten und Kosmonauten ums Weltall eiferten, so strebte man auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs nach der vollkommens-ten Schönheit, der größten Eleganz und erdenfernsten Leichtigkeit im Ballett.

Das war die eine, die förmlich verdeckte Seite der Kulturdiplomatie; im offiziellen Sprachgebrauch stand an erster Stelle natürlich der Wunsch nach Erwärmung der Beziehungen durch Charmeoffensive. Wie so oft, hielt man den Tanz, seiner universellen Sprache wegen, für das am besten geeignete Vehikel hierfür. Wahr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Geschichte, Seite 94
von Tim Scholl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Cayetano Soto

Höchste Zeit, dass dieser Choreograf seine überbordenden Ideen, seine szenischen Verrücktheiten, Bewegungsfantasien und Multimedia-Experimente endlich dosiert und auf ein abendfüllendes Stück verteilt.
Cayetano Soto ist ein Schnelldenker mit einem Problem: Er kann seine Fantasien kaum disziplinieren. Bislang hat der 1975 geborene Spanier mit kürzeren Produktionen...

Marys Aufbruch

Ihr Geburtsjahr 1886 sieht zwei romantische Fixsterne verglühen. Im Starnberger See ertrinkt unter rätselhaften Umständen der Märchenkönig Ludwig II., in Bayreuth schließt Franz Liszt, der Schwiegervater Ri-chard Wagners, für immer die Augen. Derweil spitzt ein ehemaliger Wagner-Fanatiker schon die Feder zum Sockelstoß: «Ist Wagner überhaupt ein Mensch? Ist er...

Martin Schläpfer

Diesem Anfang wohnt wahrlich ein Zauber inne: Wenn Martin Schläpfer zur neuen Spielzeit die Ballettdirektion der Deutschen Oper am Rhein übernimmt, verbinden sich mit seiner Person Hoffnung auf ästhetische Neuerung und internationale Wieder-Beachtung. Sicher, sein Vorgänger Youri Vàmos hat in den vergangenen 13 Jahren das Haus gefüllt und sein Pub-likum erfreut....