der prozess

Zerrieben von unsichtbaren Feinden – das ist die Geschichte des Josef K., die Franz Kafka vor hundert Jahren erzählte. Gleich zwei Choreografen haben sie umgesetzt: Mauro Bigonzetti in Hannover und Davide Bombana in Karlsruhe

Tanz - Logo

Ein Albtraum. Oder was? Als ob er das Kommende ahnte, wälzt sich Josef K., d. h. Flavio Salamanka, auf seinem Lager. Unruhig ist sein Schlaf. Wiederholt bäumt sich sein Körper auf, schlotternd vor Angst, während die Musik von Walter Fähndrich voller Seufzer ist. Noch ist Josef K. allein. Noch weiß er nicht, dass ihn womöglich jemand verleumdet hat. Er ist sich keiner Schuld bewusst. Aber er fühlt sich so beobachtet, seiner Selbst so entfremdet, dass er den eigenen Leib immer wieder «begreifen» muss. Schließlich kann es durchaus sein, dass er sich seinen «Prozess» nur einbildet.

Vielleicht halluziniert er ihn einfach, wie Davide Bombana im Programmheft meint.

Das nachgelassene Romanfragment – vor genau hundert Jahren von Franz Kafka geschrieben, von ihm selbst aber nur auszugsweise veröffentlicht – hat im Lauf seiner Rezeption die unterschiedlichsten Deutungen erfahren. Orson Welles hat es verfilmt. Philip Glass gab ihm erst vor wenigen Wochen die Form einer zweiaktigen Kammeroper. Mauro Bigonzetti nahm den «Process», wie sich der Text in der posthumen Veröffentlichung durch Max Brod noch nennt, an der Staatsoper Hannover als Vorlage eines Balletts. Ein Ballett nennt auch Davide ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2015
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
düsseldorf: b.23

Als sechsjähriges Wunderkind entzückt das Wolferl noch die kaiserliche Familie. Als ausgewachsener Mozart jedoch will ihm die Bindung an den Toparbeitgeber der Zeit nicht wirklich glücken, statt des Adels begeistert sich das Volk für ihn. Wie Mozarts Musik sollte auch das Ballett einst die Aristokratie amüsieren, präsentierte aber eine Welt sozialer, moralischer,...

cd des monats

Dreißig Jahre lang hat Vladimir Ashkenazy kein Album mehr eingespielt. Wenn er jetzt zum 100. Todestag von Alexander Skrjabin noch einmal seine pianistische Könnerschaft beweist, dann nicht zuletzt, weil die Popularität von dessen sinfonischem Œuvre die der Klavierstücke leicht überschattet. Zu kurz, um sich in ihrer Schönheit ganz zu erschließen, lassen sie im...

der lehrer: philippe riera

Sie sind Mitglied des Kollektivs Superamas, das seit 1999 an choreografischen Performances arbeitet. Und jetzt unterrichten Sie auch.
O ja, diesen Sommer beim «ImPulsTanz»-Festival. Einmal gehöre ich zum Mentoring-Team bei «Danceweb», dem Stipendiatenprogramm des Festivals. Dieses Jahr gibt es da nicht einen Mentor, der für alle «Danceweb»-Teilnehmer verantwortlich...