Der polnische Patient
Zeitgenössischer Tanz in Polen hat sich in kleineren Städten wie Bytom, Lublin und Kalisz zum lokalen Standortfaktor entwickelt. In Gdansk, der Wiege der Revolution, hält sich ein munterer Vorposten. Auch die Metropolen Warszawa, Krakow und Poznan können auf der polnischen Tanzkarte angekreuzt werden. Doch westlich der Oder weiß man wenig von diesem Werden. Zyklisch flackert Interesse auf, angefacht meist durch politische Austauscherhitzer – und erlischt schnell, kaum dass die Karawane weiter zieht. Östlich der Oder ist man unsicher, wie viel polnischer Tanz dem Westen zuzumuten sei.
«Zu wenig abstrakt» sei er, «zu emotional», «nicht genug emanzipiert vom Theater». Immer wieder werden faszinierende Pläne entworfen, wie alles besser werden könnte – künstlerisch, finanziell und infrastrukturell. Wer über zeitgenössischen Tanz in Polen etwas erfahren will, sieht sich schnell in so ein Ärzteteam kooptiert, das verhalten optimistisch Röntgenbilder diskutiert, zartfühlend den Puls misst und Kombi-Therapien verordnet. Eine Visite.
Ein Berliner ist ins Oderbruch gezogen. Man kann dort das Auge über weites Land schweifen und sich von einem gewaltigen Himmelsgewölbe berauschen lassen. Der ...
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