Der Busen

Sind sie nicht Körperteile wie die anderen auch? Wenn man sie zwickt, zucken sie nicht? Wenn man sie platt drückt, leiden sie nicht? Wenn man sie freilässt, laufen sie nicht dann erst zur vollen Form auf?

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Ein hoher Sprung, zweiunddreißig Drehungen, ein breites Lächeln und von den Unsichtbaren kein Zeichen des Aufbegehrens. Ballerinen haben keine: Brüste. Die beiden anarchischen Wundertüten sind im Weg, dem Partner und dem Port de bras. Sie stören die Linie, selbst wenn sie ideal symmetrisch gewachsen sind. Und wann sind sie das schon? Schlimmer noch, einmal in Bewegung, lassen sie sich nicht bändigen, es sei denn, man bände sie fest. Und aus ästhetischen Gründen tut man das auch im Tanz. Lycra sei Dank.

So nährt man die Illusion der totalen Kontrolle der Tänzerin über ihren Körper und der Choreografie über beide.

Erstaunlich. Da heißt es immer, der Tanz sei die sinnlichste der Künste. Dabei neutralisiert er den weiblichen Oberkörper. Der ist nachgewiesenermaßen übertrieben gestaltet. Vergleicht man uns mit den anderen Primaten, dann sind sich der Biologe und der Verhaltensforscher einig: Sie können mehr als Säuglinge stillen – die Brüste der Frau müssen ein Geschenk an den Mann sein. Zugegeben unpraktisch, aber eindeutig: erogene Zone.

Dessen sind wir uns natürlich bewusst. An weniger diskreten Tagen tragen wir T-Shirts mit der Aufschrift «Schau mir in die AUGEN, Kleiner!». Zu ...

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Tanz August/September 2008
Rubrik: Tänzer in Teilen, Seite 26
von Katja Werner

Vergriffen
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