Demis Volpi
Im August 2020 fing unsere erste Spielzeit als neugeformtes Ballett am Rhein an. Die Welt stand still, aber wir bewegten uns weiter. Wortwörtlich: Im Ballettsaal, im digitalen Raum und in unseren Köpfen und Herzen wurde unsere Vision für diese Compagnie weitergesponnen, vorangetrieben, vergrößert und bereichert von und mit den Menschen, die mir an den Rhein gefolgt sind, und denen, die hier auf mich gewartet haben.
Trotz Abstand sind wir als Kompanie zusammengewachsen, konnten uns kennenlernen, uns mit Choreograf*innen und ihren Ideen, Visionen und Gedanken zu unserer Zeit auseinandersetzen. Wir haben konzentriert geprobt und neue Stücke entwickelt. Nicht nur ich habe mehrere Stücke choreografiert, auch Twyla Tharp, Aszure Barton, Andrey Kaydanovskiy, Sharon Eyal und Hans van Manen bereicherten unseren Alltag mit ihrer Präsenz, ihrer Persönlichkeit und ihrem künstlerischen Können. Wir haben erste Impulse gesetzt, den Tanz weiterzudenken, und unsere Kunstform mit Menschlichkeit gefüllt. Obwohl das offensichtlichste Ziel unserer Arbeit – die Aufführung – erst mal nicht in Sicht war, oder vielleicht gerade deswegen, haben wir zweimal so hart gearbeitet.
Wir haben dieses Jahr so viel ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Pandemie, Seite 93
von
Da sage noch einer, in Frankreich hätten sie keinen Sinn mehr für Romantik. Dabei macht die von Charles Garnier erbaute, 1875 eröffnete Opéra, Hort von «Schwanensee», «Giselle» und «Phantom»-Fantasien, Furore im queeren Pop-Geschäft. Und das kam so: Erst gab es die Musik, aufgehängt am Liebesdrama Dante Alighieris mit seiner Beatrice, dann trat ein Filmregisseur...
… Eine Arbeit mit Jugendlichen in Düsseldorf, denen ich und meine Kollegin Kamila Kurczewski nie analog begegnet sind.
Produktiv sein müssen und choreografische Gruppenarbeit gewährleisten, um die Lage zu retten? Nein, ich hatte keinen Bock. Ich habe mich eher auf einzelne Proben oder Gespräche konzentriert; erst mal, um einen Raum zu schaffen, in dem jede*r sich...
«Wenn ich einen Tanz oder irgendeine Art von Werk plane, kann ich das nicht umsetzen, bevor ich den Raum verstanden habe», sagt Maria Hassabi, die in Athen ebenso zu Hause ist wie in New York. Die 48-jährige, auf Zypern geborene Choreografin und Künstlerin ist eine Spezialistin für die Raumzeit-Verhältnisse der menschlichen Wahrnehmung. Unsere Sinne brauchen Zeit:...
