Katharina Torwesten
Zunächst fand ich gar nichts produktiv. Corona hat alle unsere «Produkte» an die Wand gefahren. Aber dann wirkte der Stillstand nach innen, ganz langsam. Ich geriet in einen Zustand der Wunschlosigkeit, fast meditativ. Wohin zerren uns unsere Wünsche? Überallhin, nur nicht zu uns selbst. Eine Weile davon erlöst zu sein, hat mir gutgetan – und hat letztendlich eine unglaubliche kreative Energie freigesetzt, mit der ich «Sacre» choreografiert habe, mit einem sehr unkonventionellen Ergebnis, das mich selbst überrascht.
Was nehme ich mit? Mehr Ruhe, mehr Gelassenheit.
Und mehr Klarheit darüber, was wirklich wichtig ist und was nicht. Innehalten ist eine Kraftquelle. Wir brauchen so wenig, um sinnstiftend zu leben. Für die Zukunft habe ich keine überzogenen Erwartungen. Die Menschen lernen – und vergessen wieder. Wenige werden Konsequenzen aus den Reflexionen, die Corona angestoßen hat, ziehen. Aber ein neuer Zeitgeist fängt ja immer mit einigen Wenigen an …
Seit 2020 Ballettdirektorin am Landestheater Detmold
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Pandemie, Seite 114
von
Einen Länderreport soll ich schreiben, bittet die Redaktion, wo ich doch in England lebe und viel in Spanien bin. Ich sage mehrfach nein und dann doch ja. Dabei zeichnet sich diese Spielzeit dadurch aus, dass ich in England praktisch nonstop, in Spanien aber nur ein einziges Mal war, nämlich letzten Dezember, in Barcelona. Andersherum wäre länderreportmäßig besser...
Als der Corona-Ausnahmezustand Mitte März 2020 Deutschland erfasste und wir das Ballettzentrum Hamburg schließen mussten, war es sehr schwer, der neuen Realität ins Auge zu sehen. Plötzlich gab es nur noch Online-Trainings, zu Hause. Keine Aufführungen. Es war hart, sich nicht mehr zu berühren und gemeinsam mit Kollegen tanzen zu dürfen. Von einem Tag auf den...
Da sage noch einer, in Frankreich hätten sie keinen Sinn mehr für Romantik. Dabei macht die von Charles Garnier erbaute, 1875 eröffnete Opéra, Hort von «Schwanensee», «Giselle» und «Phantom»-Fantasien, Furore im queeren Pop-Geschäft. Und das kam so: Erst gab es die Musik, aufgehängt am Liebesdrama Dante Alighieris mit seiner Beatrice, dann trat ein Filmregisseur...
