Boris Charmatz
Obwohl erzwungen, hat das Homeschooling die Bindung zu meinen Kindern gestärkt. Und als ich trotz zwangsweiser Abschottung in ein Tanzstudio zurückkehren konnte (ganz allein!), hat es sich angefühlt, als würde ich eine faszinierende einsame Insel entdecken. Ich habe die vielen Künstler bewundert, die den Lockdown nutzten, um in ihren Küchen, Fluren, über das Internet etwas zu kreieren ... Ich habe mich dazu nicht in der Lage gefühlt, habe mich stattdessen auf die langfristigen Wünsche konzentriert, was mir jenseits der Krise, durch die wir alle gegangen sind, wesentlich schien.
Jede Geste, jede gerettete Aufführung vor ein paar Zuschauern oder Kameras, jede wunderbare Begegnung mit einem Körper, jeder Wunsch zu feiern und sich auszutoben – all das sind unvergessliche Momente geworden, eruptive Gelegenheiten möglichen Lebens, die man unbedingt ergreifen muss ... Der mentale Tanz derer, die des Tanzes beraubt wurden, der mentale Tanz einer ganzen Bevölkerung, der Feiern, Berühren, spontane Begegnungen untersagt waren – all das ist ganz eindeutig Teil dessen, was Tanz tut:
Er setzt uns in Bewegung, bewegt uns aber selbst dann, wenn wir seiner beraubt sind. Der Tanz macht die ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Pandemie, Seite 40
von
Da sage noch einer, in Frankreich hätten sie keinen Sinn mehr für Romantik. Dabei macht die von Charles Garnier erbaute, 1875 eröffnete Opéra, Hort von «Schwanensee», «Giselle» und «Phantom»-Fantasien, Furore im queeren Pop-Geschäft. Und das kam so: Erst gab es die Musik, aufgehängt am Liebesdrama Dante Alighieris mit seiner Beatrice, dann trat ein Filmregisseur...
Die Covid-Zeit ist ein Schwamm. Die Flüssigkeit, die dieser Schwamm aufsaugt, ist Zeit. Am Anfang war der Schwamm voll, und plötzlich hatte ich Zeit, um mich um all den Rückstand kümmern zu können. Und dann war die Zeit plötzlich wieder komplett weg. Der Schwamm ist wieder trocken und saugt mehr Zeit auf als zuvor. Und falls es nicht enden wird?
Die Covid-Zeit ist...
Menschen wirken auf Räume ein, gestalten sie, eignen sie sich an und hinterlassen Spuren. Gleichermaßen wirkt der Raum auf den Menschen ein, ermöglicht Begegnung, aber verhindert sie auch. Diese Wechselbeziehung zwischen Raum und Mensch gilt für alle Räume, sei es ein Sakralraum, ein Theater, das eigene Zimmer, eine Schrebergartenkolonie oder eben der städtische...
