das publikum
Wenn Sichtbarkeit gleichzusetzen ist mit Erfolg, dann ist der Tanz erfolgreicher denn je. Zahlreiche Talentshows im Fernsehen ziehen ein Millionenpublikum, das dem Tanz mehr Öffentlichkeit beschert als je zuvor. Tanz in seiner natürlichen Form, also auf einer Bühne oder in einer Site-spezifischen Umgebung dargeboten, ist allerdings flüchtig und hat ein relativ kleines Publikum. Jede Vorstellung ist ein Unikat und in diesem Sinne exklusiv. Glücklicherweise lassen sich Tanzvorstellungen wiederholen und, entsprechend konzipiert, auch relativ leicht von Ort zu Ort transferieren.
So weit, so gut: Mit diesen Ingredienzen – starke Präsenz im öffentlichen Raum und Spielmöglichkeiten ohne Grenzen − steht der Verlängerung des Erfolgs eigentlich nichts im Weg. Tanz ist die performative Kunstform des 21. Jahrhunderts!
Es mag daher überraschen, dass gewisse Tanzkreise Erfolg und großes Publikum mit Gefälligkeit und Oberflächlichkeit assoziieren. Man scheint zu befürchten, dass der Tanz in den Mainstream der Unterhaltung abzugleiten droht – auf die qualitativ mindere Ebene der fernsehgerechten Choreografien bei «So You Think You Can Dance» und ähnlichen Programmen. Diese Sorge lässt sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2016
Rubrik: Editorial, Seite 3
von Samuel Wuersten
«Schon im Bauch meiner Mutter musste ich Dehnübungen machen», sagt sie einmal aus dem Off in ihrem Solo «Tanzsylvanien». Die 30-jährige Tochter einer Tanzpädagogin führt da keine Spagate vor, sondern eine andere Form der Dehnung: vom kleinen Ich in die große Welt hinaus. Auf dem Boden schiebt sie müde Fingertentakel nach vorn, die der Monitor vergrößert. Er...
Er fotografiere nicht Tänzer, sagt Paul Hutchinson, sondern Menschen. Der Deutsch-Ire meint das mit Respekt. Er wuchs in der Berliner Hip-Hop-Szene auf, das Breaking war sein eigener Rückzugsort. Der Lärm des Körpers am Ausgang der Pubertät verlangte nach inwendiger Aufmerksamkeit. Dass er dies so erfahren hat, sieht man auf den ersten Blick: Es herrscht eine...
fritz kuhn
ist grüner Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart. Zu seiner Klientel gehören auch 60 freie Tanz- und Theaterschaffende, die sich derzeit als heimatlos begreifen. Zehn Jahre lang suchten sie nach einer Spielstätte. Zwei Jahre ist Kuhn im Amt. Nun gilt: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Rilkes Herbst-Gedicht trifft die Stimmung unter den...
