break in bangalore
Er fotografiere nicht Tänzer, sagt Paul Hutchinson, sondern Menschen. Der Deutsch-Ire meint das mit Respekt. Er wuchs in der Berliner Hip-Hop-Szene auf, das Breaking war sein eigener Rückzugsort. Der Lärm des Körpers am Ausgang der Pubertät verlangte nach inwendiger Aufmerksamkeit. Dass er dies so erfahren hat, sieht man auf den ersten Blick: Es herrscht eine eindrückliche Geräuschlosigkeit in seinen Fotografien. Eine konzentrierte Stille umfängt die Tanzenden.
Der Kontrast wirkt noch stärker, wenn man weiß, wo diese Bilder aufgenommen wurden: in Indiens drittgrößter Stadt, in Bangalore, einem Zentrum der IT-Industrie und der Postproduktion für 3D-Movies aus Hollywood. Hier war Paul Hutchinson fünf Wochen lang Gast des Goethe-Instituts. Hier tobt der Verkehr, hier ist das B-Boying keine Ghetto-Kultur, sondern eine Selbstverteidigung gegen die Zumutungen der Masse. Es ist der einsame Aufstand, eine auf dem Kopf stehende Rebellion von lauter Einzelnen und leisen Individuen.
Auf Hutchinsons Fotos sucht man vergeblich nach einer Gruppe, nach Battles samt Umstehenden oder Partyszenen. Es sind einsame Moverinnen, oft mit abgewandtem Gesicht. Indische Jugend unter der Kapuze oder auch mit ...
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Tanz Februar 2016
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
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