newcomer: sylvana seddig
«Schon im Bauch meiner Mutter musste ich Dehnübungen machen», sagt sie einmal aus dem Off in ihrem Solo «Tanzsylvanien». Die 30-jährige Tochter einer Tanzpädagogin führt da keine Spagate vor, sondern eine andere Form der Dehnung: vom kleinen Ich in die große Welt hinaus. Auf dem Boden schiebt sie müde Fingertentakel nach vorn, die der Monitor vergrößert. Er überbringt den Zuschauern Nachrichten aus dem verborgenen Raum dahinter: Sylvana Seddig steckt hinter einem Vorhang aus weißen Luftballons.
Eine Live-Übertragung? Wegen der offenbar flexiblen Kamera hält man das TV-Bild bald für fake. Aber wenn die Tänzerin tobt, im Bild, hört man das hinter der Blubberwand. Doch echt? Oder fast? Eine Dehnübung fürs Zuschauerhirn. Plötzlich tritt die Tänzerin heraus, gekleidet in ein Büschel gelber Ballons, ohne Kopf. Sylvana Seddig hat Humor. Mit Blutsaugern hat ihre Heimat Tanzsylvanien nichts zu tun, sondern mit Blutleere; das extremste Bildschirmbild der Performance zeigt selbstvergessene Langeweile: Da prokeln die Finger am entkleideten Körper herum.
Ihr Tanzstudium absolvierte sie bis 2008 bei ArtEZ in Arnheim, schon im vorletzten Ausbildungsjahr bekam sie erste Jobs. «Ich hatte Glück beim ...
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Tanz Februar 2016
Rubrik: Menschen, Seite 30
von Melanie Suchy
Wie nützlich soll – oder darf – Tanz sein? Fast gleichzeitig zu zwei Kongressen, die sich Ende vorigen Jahres in Berlin mit dem Trend zum «Nützlichen» im Bereich des Theaters befassten (s. auch «Theater heute» 1/16), stellt der Genfer Choreograf und Tänzer Foofwa d’Imobilité die Frage des Nützlichen und des Unnützen in den Raum des Tanzes. Bis 2017 und damit...
«Die Energie von unten nehmen – rein in den Boden und wieder hoch. ... Wir gehen über Wasser, aber wir tauchen nicht wirklich unter.» Es sei wie bei den Delfinen, erklärt Oliver Matz: «Wie die übers Wasser schießen – das ist dieselbe Energie.» Der Leiter der Tanz Akademie Zürich (TaZ) trainiert mit seinen Jungs Sprünge. Wieder und wieder steht er auf, stellt sich...
Das Seil ist bis zum Zerreißen gespannt, und noch bevor die Vorstellung eigentlich begonnen hat, wird dem Zuschauer bewusst: Wer sich einmal ins Netz begeben hat, kommt nicht mehr frei. Immer wieder stemmt sich Paolo Amerio gegen die Verführung, minutenlang, während ihn Raumklänge von Michiel Jansen umgaukeln: eine vergleichsweise unspektakuläre, relativ statische...
