Daniel Goldin: «Myriaden»

Nordrhein-Westfalen

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Vor 25 Jahren spielte der kanadische Pianist Glenn Gould in New York Bachs «Goldberg-Variationen» ein. Die Aufnahme gilt noch heute als die gültige Interpretation des Zyklus. Daniel Goldin hat sich in Münster für eine Einspielung entschieden, in der Keith Jarrett wie einst der Bach-Schüler Goldberg die Aria plus 30 Variationen auf dem Cembalo spielt – eine befremdliche Entscheidung. Denn die Musik verliert in dieser Version eindeutig an Tiefe; Jarrett verwandelt sie beinah in eine barocke Luftnummer.

Goldins Entscheidung für Jarrett und das Cembalo ist noch unverständlicher, weil seine Choreografie gerade das Abgründige und die dunklen Töne der Komposition betont. Goldins Tanzstück ist ein Nachtstück, das den Titel «Myriaden» (Zehntausende) trägt – eine Titelgebung, die ebenso wenig nachvollziehbar ist wie die Auskunft des Choreografen, neben Bachs Musik seien die Fotos von Henri Cartier-Bresson der «Ausgangspunkt» seiner neuen Arbeit. Immer wieder versinkt die Szene, ganz oder teilweise, in tiefes Dunkel, die Vorgänge erscheinen wie Traumsequenzen, die sich nicht entscheiden können, ob sie eher heiteren oder albtraumartigen Charakter haben. In langen cremefarbenen Nachthemden  ...

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Tanz Januar 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 38
von Jochen Schmidt

Vergriffen
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