Jan Lauwers: «Lobster Shop»
Jan Lauwers’ weiße Bühne ist sein Markenzeichen, ebenso wie das transdisziplinäre Miteinander, Durcheinander und Füreinander. Tanz, Text, Musik, Film, Skulpturen. Lauwers ist ein Essayist der Bühne. Er zeichnet die Welt nicht im Portrait, sondern in ihrer Art zu funktionieren. Durch simultane Zeiten und Räume. Der weiße Grundton erlaubt, sie ineinander zu weben. Lobster Shop hat zwar eine Geschichte zu erzählen, aber es geht um mehr als nur darum, die Puzzleteile korrekt zusammenzusetzen. Es geht nicht nur um das Bild, sondern um die Perspektive.
Das Aufheben der Chronologie stellt auch die Kausalität infrage. Das ganze Stück über beteuert Axels Sohn, er sei noch am Leben. Axel will sich das Leben nehmen, weil er seinen Sohn verloren hat. «Weil» oder «während»? «Obwohl» oder «darin»? Im «Lobster Shop» geht es nicht voran. Krebse kriechen seitwärts. Seinen Sohn durch einen Unfall zu verlieren, ein Albtraum. Es ist ein Stück über Ausweglosigkeit. Ein Flüchtling, brennende Autos, soziale Krise. Die Erzählung wogt hin und zurück. Das Klonen des Bären und von Jimmy Hendrix gelang Alex nur zur Hälfte, sodass die zwei nun als «Wer-bin-ich?» durch die Welt schlurfen. Wo nahm das Unglück ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bernhard Fauser hat’s nach 18 Jahren geschafft: Der Tanz geht nicht baden, auch wenn der neue, zeitweilige Spielort des Heidelberger UnterwegsTheater das Alte Hallenbad ist. Fauser hat für sein AHa-Konzept, das eine temporäre Nutzung als Kunst-Produktions-Tempel Heidelbergs und der Metropolregion vorsieht, von Manfred Lautenschläger, Gründer von MLP, für 2007/08...
Auch im Tanz geht es immer häufiger darum, Erwartungen zu enttäuschen und Laborsituationen zu schaffen, die das Publikum herausfordern und verunsichern. Wenn diese Tendenz in William Forsythes Arbeit verstärkt wahrzunehmen ist, seit der institutionelle Rahmen des Ballett Frankfurt weggekürzt wurde, erscheint es, als wäre das neuerliche Experimentieren wie ein...
John Adams, weder Meuterer der Bounty, noch einer der ersten US-Präsidenten, sondern der lebendige amerikanische Komponist, ist ein Glücksfall für John Neumeier. Adams macht die Bewegungen eckig, Adams zwingt zur Rhythmik, Adams hilft gegen allzu elegisches Handlungsballett.
John Neumeier wollte als Kommentar zu seinem wieder aufgenommenen «Artus» von 1982 ran an...
