corpus delicti
Verurteilt – oder doch nicht? Die 28. Kammer des Tribunal correctionnel von Paris sprach Steven Cohen am 5. Mai der «exhibition sexuelle» schuldig – zum Nulltarif. Die angedrohte Geldstrafe von 1000 Euro wurde nicht verhängt. Noch nicht einmal einen symbolischen Euro muss er zahlen. Doch daran, dass Cohen nun vorbestraft ist, ändert das nichts. Hier wurde kein salomonisches Urteil gesprochen, sondern ein sybillinisches, auch ein hinterhältiges, ein hochgradig politisches. Es steht nicht weniger als Frankreichs Ruf als tolerante, weltoffene Kulturnation auf dem Spiel.
Mit der Verurteilung des Künstlers wird ein Zeichen gesetzt, nach dem Motto: Es wird sich unter politisch oder sonstwie aufmüpfigen Performern schon herumsprechen, dass man sich besser nicht mit dem Geschmack der bürgerlich-konservativen und religiös fundamentalistischen Schichten anlegt. Denn die gewinnen an Terrain, in öffentlichen Debatten, auf der Straße, an den Wahlurnen, wie jüngst der Durchmarsch des Front National bei den Europawahlen belegt hat. Diese Klientel darf natürlich nicht provoziert werden.
Es war wohl der wachsenden politischen Nervosität geschuldet, dass Cohen für seinen Spaziergang mit angeleintem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2014
Rubrik: ideen, Seite 62
von Thomas Hahn
Jan Fabres choreografische Arbeiten haben sich schon immer durch Soli ausgezeichnet, die der Belgier seinen Lieblingstänzern auf den Leib schneiderte. Auch Cédric Charron, seit nunmehr 14 Jahren Kompaniemitglied, ist da keine Ausnahme: Der französische Tänzer hat immer wieder substanziell zu Fabres Arbeiten beigetragen, seit er in «As long as the world needs a...
Dass sich das Publikum demonstrativ wegdreht, sobald einer zu tanzen beginnt. Oder dass es gar nicht erst hinschaut. Genau diese gespielte Ignoranz, sagt die berühmte Forsythe-Interpretin Dana Caspersen, ist die Hauptursache aller Konflikte. Caspersen ist ausgebildete Konfliktmanagerin und gewappnet für all die Fälle, in denen Menschen Pickel kriegen, wenn sie den...
Vor der Alten Feuerwache in Saarbrücken breitet sich der ungastliche Landwehrplatz aus. Linkerhand dribbeln zwei Jungs mit einem Basketball unter einem Korb. Auf der Bank daneben wechselt ein Briefumschlag den Besitzer, von einer schwarzen Lederjacke in die andere. Der eine Typ, der Dicke mit dem Käppi, pflanzt sich später zehn Meter weiter an den Rand der...
