Claire Cunningham
Sie ist eine Virtuosin. Auf Krücken. Sie ist hochspezialisiert und – beziehungsweise: weil – gehandicapt. Zwischen diesen Eckpunkten hat die schottische Performerin Claire Cunningham sich ihren eigenen -Aktionsradius geschaffen und ihren Blick auf die Welt kontinuierlich erweitert. Und den unseren als Zuschauer gleich mit.
Anfangs zeigte sie auf der Bühne ausschließlich, was sie trotz ihrer angeborenen Osteoporose alles kann. Dann, 2014, mit ihrer Teilnahme an einem Projekt zum Werk von Hieronymus Bosch, «Give Me A Reason To Live», kommt die Verletzlichkeit ins Spiel.
Erstmals setzt sie sich öffentlich mit der Realität einer Behinderten auseinander, befragt, physisch, den Glauben an sich selbst.
Ihre Crip-Identität anzunehmen, war für sie kein leichter Prozess. Schritt für Schritt vollzieht sie ihn einmal mehr zusammen mit dem amerikanischen Choreografen und Tänzer Jess Curtis in «The Way You Look (at me) Tonight». Eine Emanzipation auf Augenhöhe. «Crip» (von Englisch «cripple») als politische und als kulturelle Identität bildet den Kern in der künstlerischen Auseinandersetzung der mittlerweile 40-jährigen Choreografin, deren kindliches Aussehen mitunter im irritierenden ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 156
von Irmela Kästner
Für mich als Privatmensch bezeichnet Heimat etwas Vertrautes und Beruhigendes, das keineswegs die Form eines Gebäudes oder Konstrukts haben muss. Heimat kann das Gefühl von Behaglichkeit und innere-r--- -Ruhe bedeuten. Als Künstler verstehen wir Heimat gewissermaßen als unser Zentrum. Tänzerinnen und Tänzer sind ja ohnehin stets auf der Suche nach ihrer Mitte –...
Ich bin eine gebürtige Einwanderin, Tochter von Einwanderern, Enkelin von Einwanderern ... Daher ist der Begriff «Heimat» für mich persönlich seit jeher kompliziert. Als ich gerade mal ein Jahr alt war, kehrten wir in das Land zurück, das eigentlich unser Heimatland, Herkunftsland war, doch irgendwie fühlte es sich nicht mehr wie Heimat an. Wir hatten uns...
Heimat – thuis oder vaderland im Niederländischen – ist für mich ein Ort, an dem man sich zu Hause fühlt, der Ort der eigenen Herkunft, ein Ort an dem man sich sicher fühlt, der Ort, an dem man verwurzelt ist.
Die Ballettwelt und insbesondere Het Nationale Ballet ist für mich dieser Ort, an dem ich eine solche Verbindung am stärksten spüre. Aber «Heimat» ist ja...
