Claire Cunningham

Tanzakteure mit den besten Aussichten

Tanz - Logo

Sie ist eine Virtuosin. Auf Krücken. Sie ist hochspezialisiert und – beziehungsweise: weil – gehandicapt. Zwischen diesen Eckpunkten hat die schottische Performerin Claire Cunningham sich ihren eigenen -Aktionsradius geschaffen und ihren Blick auf die Welt kontinuierlich erweitert. Und den unseren als Zuschauer gleich mit. 

Anfangs zeigte sie auf der Bühne ausschließlich, was sie trotz ihrer angeborenen Osteoporose alles kann. Dann, 2014, mit ihrer Teilnahme an einem Projekt zum Werk von Hieronymus Bosch, «Give Me A Reason To Live», kommt die Verletzlichkeit ins Spiel.

Erstmals setzt sie sich öffentlich mit der Realität einer Behinderten auseinander, befragt, physisch, den Glauben an sich selbst. 

Ihre Crip-Identität anzunehmen, war für sie kein leichter Prozess. Schritt für Schritt vollzieht sie ihn einmal mehr zusammen mit dem amerikanischen Choreografen und Tänzer Jess Curtis in «The Way You Look (at me) Tonight». Eine Emanzipation auf Augenhöhe. «Crip» (von Englisch «cripple») als politische und als kulturelle Identität bildet den Kern in der künstlerischen Auseinandersetzung der mittlerweile 40-jährigen Choreografin, deren kindliches Aussehen mitunter im irritierenden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 156
von Irmela Kästner

Weitere Beiträge
Roman Novitzky

Wie macht er das nur? Tanzen, choreografieren, fotografieren, mitten in der Saison eine wichtige Premiere, kurz danach die erste Ausstellung? Roman Novitzky ist bei allem, was er anpackt, nicht das, was man einen Tausendsassa nennt. Bewundernswert am Ersten Solisten des Stuttgarter Balletts ist weniger, wie er als Multitalent alles unter einen Hut bekommt....

Alejandro Virelles Gonzalez

Er gehört längst nicht mehr zu den hoffnungsvollen Jungtalenten. -Alejandro Virelles Gonzalez ist «Produkt» jenes beinharten, äußerst effizienten kubanischen Ausbildungssystems, das seit Jahrzehnten die halbe Welt mit erstklassigen Tänzern versorgt, wenngleich eher unfreiwillig. Als Gonzalo Galguera 2006 zum 20. «Internationalen Ballett-festival Havanna» seine...

Louis Stiens

Ich finde es schwierig, den Begriff «Heimat» mit meiner Arbeit, dem Tanz, in einen Kontext zu stellen. Anders als viele meiner Kollegen lebe und arbeite ich von klein auf in meiner sogenannten Heimat Deutschland. Andere Tänzer müssen ihre Heimat immer wieder neu definieren, weil sie viel reisen oder den Standort berufsbedingt wechseln. Ich dagegen habe mich ganz...