Tamara Rojo
Ich bin eine gebürtige Einwanderin, Tochter von Einwanderern, Enkelin von Einwanderern ... Daher ist der Begriff «Heimat» für mich persönlich seit jeher kompliziert. Als ich gerade mal ein Jahr alt war, kehrten wir in das Land zurück, das eigentlich unser Heimatland, Herkunftsland war, doch irgendwie fühlte es sich nicht mehr wie Heimat an. Wir hatten uns verändert, sprachen andere Sprachen, hatten andere Kulturen erlebt, hatten Verwandte in anderen Ländern.
Wir steckten fest, passten nirgends so ganz hin, vermissten ständig irgendetwas von anderswo …
Bis der Tanz auf der Bildfläche erschien – und für mich zur persönlichen Heimat wurde. My private heimat, Ort des Rückzugs, der Ruhe und Besinnung, wo ich ich sein kann. Doch das Tanzen brachte abermals eine Zukunft fern der Heimat mit sich, wieder bin ich zur Einwanderin in einem neuen Land, einer neuen Sprache, einer neuen Kultur geworden. Nur, dass es sich seither ein bisschen leichter anfühlt, da ich ja nun meine persönliche Heimat, den Tanz, als Refugium habe.
Heute, 20 Jahre später, stehe ich vor dem unausweichlichen Ende meiner Karriere als Tänzerin und fürchte, dass ich vielleicht keine neue Heimat mehr finden werde, die mir ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 106
von Tamara Rojo
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