Robert Battle
Für mich als Privatmensch bezeichnet Heimat etwas Vertrautes und Beruhigendes, das keineswegs die Form eines Gebäudes oder Konstrukts haben muss. Heimat kann das Gefühl von Behaglichkeit und innere-r--- -Ruhe bedeuten. Als Künstler verstehen wir Heimat gewissermaßen als unser Zentrum. Tänzerinnen und Tänzer sind ja ohnehin stets auf der Suche nach ihrer Mitte – allerdings nur, um sich dann auch gleich wieder von ihr entfernen zu können. Heimat also als Basis. Und wenn ich nach Hause komme, kehre ich in mein Zentrum, meine Mitte zurück. Dorthin, wo mein Ursprung ist.
Heimat muss etwas Starkes, Beständiges sein, damit man sie verlassen und doch jederzeit zu ihr zurückkehren kann. Das hat mit Vertrauen und Vertrauensvorschuss zu tun. Jedesmal wenn du einen Schritt tust, führt dich dieser ein Stück aus deinem Zentrum hinaus. Und genau das ist es, was das Tanzen und jedwede Kunstausübung so aufregend macht. Ich habe Tänzerinnen und Tänzern immer gerne gesagt: «Wenn ihr einen Arm in die Luft streckt, vergesst nicht, dass er ein Teil von euch ist, dass er irgendwo herkommt.» Die Besonderheit dieser Energie und der Denkprozess, der deinem Zuhause, deinem inneren Kern entspringt und dann ...
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Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Identität, Seite 113
von Robert Battle
Streng genommen hat Naoko Tanaka keine Ahnung von Tanz. Sie studierte Malerei und Bildende Kunst in Tokio und Düsseldorf. Vielleicht gerade deshalb und umso mehr überzeugt die künstlerische Inspiration durch das flüchtige Medium, die sie seit 2011 auf faszinierende Weise in installative Bühnenkunst umsetzt. Dabei ist ihre Definition von Choreografie so simpel wie...
Ligia Lewis kreiert engagierte, dissonante, notwendige Tanzstücke. Bestes Beispiel: «Minor Matter» (2016), von der Choreografin gemeinsam mit -Tiran Willemse und Corey Scott-Gilbert performt – abstrakt und zugleich unerhört persönlich. In Zeiten neu aufkeimender rassistischer Gewalt und der vor diesem Hintergrund agierenden internationalen Bewegung «Black Lives...
Auf dem abgegrasten Feld der Stile, auf dem viele Choreografen zurückkehren zu Bewährtem, fallen die Erfinderischen auf. Und das libanesisch-spanische Choreografenpaar Guy Nader und Maria Campos, das in Barcelona ein eigenes Ensemble leitet (darin auch selbst tanzt), hat mittlerweile nicht nur dort ganz eigene, eigenartige choreografische Pflänzchen aufgezogen – in...
