Choreograf des Jahres: John Neumeier
Der junge, gegen die Ballettkonvention rebellierende Choreograf Kostja setzt in John Neumeiers «Die Möwe» nach Anton Tschechows Komödie seinen Fuß auf das kleine Podium inmitten der Bühne. Zwischen Erfolgsrausch und Selbstzweifel schwankend, küsst er die Bretter, die ihm die Welt bedeuten. So ähnlich mag es dem 1971 als jüngstem Ballettchef nach Frankfurt berufenen Amerikaner ergangen sein. Gleichzeitig deutet sich dessen Bestreben an, den Tanz und das Theater zu verbinden. Denn Kostja, bei Tschechow ein junger Dichter und Regisseur, versucht das Theater zu revolutionieren.
Anders als Kostja startete Neumeier auf Anhieb erfolgreich durch, zugleich ein fantasieüberschäumender Tanzträumer und ein profunder Kenner der Theaterpraxis. In 40 Hamburger Schaffensjahren realisierte er seit 1973 seine Vision eines literarisch inspirierten Ballett-Theaters und erneuerte das klassische Erzählballett. Dessen farbenreiches Spektrum spannt sich von der bahnbrechenden Tschaikowsky-Trilogie und der «Kameliendame» über die Ballette nach Shakespeares Dramen, die kolossalen Tanz-Mythen «Artus Sage», «Odyssee», «Parzival – Episoden und Echo» und «Orpheus» bis hin zu «Peer Gynt», «Die kleine ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Die Saison 2012/13, Seite 132
von Klaus Witzeling
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