Der Protagonist
Worauf schaut ein Tänzer, wenn er sich ein Bild von einem Kollegen macht? Auf seine Füße? Auf sein Gesicht? Auf seinen Körper? Darauf eine Antwort zu finden, treffe ich mich morgens am Wasserturm im Prenzlauer Berg mit Michael Banzhaf, etliche Ballettzeitschriften unterm Arm – nicht nur die eigenen, sondern auch einige in einer uns weniger geläufigen Sprache. Schließlich soll der Erste Solist des Berliner Staatsballetts nicht auf die Texte achten, sondern einen Stapel Fotos in Augenschein nehmen.
Michael Banzhaf braucht nicht viel Zeit.
Eh man sich’s versieht, hat er schon weitergeblättert. «Mein Blick hat was von einem Sensor, der in Sekundenschnelle über die Seiten gleitet», erklärt er seine Vorgehensweise. «Ich muss nicht alles bewusst erfassen, was ich sehe, bleibe aber an etwas hängen, das mich wirklich interessiert.»
__________die anstrengung, weggelächelt
Das muss nicht unbedingt die perfekte Pose sein, die schöne Linie – und schon gar nicht, hart gesagt, die millionste Giselle. Im speziellen Fall ist es ein Probenbild, das ihn innehalten lässt («weil es sich dabei um Maurice Béjart handelt und damit um die Erfahrung in meinem künstlerischen Leben»). Oder das ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Wirkung, Seite 100
von Hartmut Regitz
_______delavallet bidiefono
«In Brazzaville gehört der Tod zum Alltag der Menschen», sagt DeLaVallet Bidiefono. Bürgerkrieg, gesundheitliche Risiken, plötzliche, unerklärliche Explosionen … «Man lebt im Rhythmus der Totenwachen; es wäre unhöflich, jemanden, der um einen Angehörigen trauert, nach der Todesursache zu fragen.» Und was kann der zeitgenössische Tanz da...
Wenig Aufhebens macht Gundel Kilian um ihre Person, die Fotografin ist lieber stille Beobachterin als lauter Mittelpunkt. Und ebenso diskret arbeitet sie auch im hohen Alter – im September feiert sie ihren 85. Geburtstag – an vielen Projekten. Sie veröffentlicht Kalender mit Ballettsaalmotiven und Bildbände, zuletzt etwa über Vladimir Malakhov und Sue Jin Kang....
Der junge, gegen die Ballettkonvention rebellierende Choreograf Kostja setzt in John Neumeiers «Die Möwe» nach Anton Tschechows Komödie seinen Fuß auf das kleine Podium inmitten der Bühne. Zwischen Erfolgsrausch und Selbstzweifel schwankend, küsst er die Bretter, die ihm die Welt bedeuten. So ähnlich mag es dem 1971 als jüngstem Ballettchef nach Frankfurt berufenen...
