Der Protagonist
Worauf schaut ein Tänzer, wenn er sich ein Bild von einem Kollegen macht? Auf seine Füße? Auf sein Gesicht? Auf seinen Körper? Darauf eine Antwort zu finden, treffe ich mich morgens am Wasserturm im Prenzlauer Berg mit Michael Banzhaf, etliche Ballettzeitschriften unterm Arm – nicht nur die eigenen, sondern auch einige in einer uns weniger geläufigen Sprache. Schließlich soll der Erste Solist des Berliner Staatsballetts nicht auf die Texte achten, sondern einen Stapel Fotos in Augenschein nehmen.
Michael Banzhaf braucht nicht viel Zeit.
Eh man sich’s versieht, hat er schon weitergeblättert. «Mein Blick hat was von einem Sensor, der in Sekundenschnelle über die Seiten gleitet», erklärt er seine Vorgehensweise. «Ich muss nicht alles bewusst erfassen, was ich sehe, bleibe aber an etwas hängen, das mich wirklich interessiert.»
__________die anstrengung, weggelächelt
Das muss nicht unbedingt die perfekte Pose sein, die schöne Linie – und schon gar nicht, hart gesagt, die millionste Giselle. Im speziellen Fall ist es ein Probenbild, das ihn innehalten lässt («weil es sich dabei um Maurice Béjart handelt und damit um die Erfahrung in meinem künstlerischen Leben»). Oder das ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Wirkung, Seite 100
von Hartmut Regitz
Henry Leutwyler, was hat Sie bewogen, diesen Bildband zu machen? Es sind nicht unbedingt perfekte Augenblicke – im Sinn des konventionellen Ballettverständnisses –, die Sie festhalten.
Mein Hauptanliegen war es, Schönheit einzufangen. Und ich glaube nun mal, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist. Die Perfektion einer bestimmten Tanzproduktion...
Auf der glatten Oberfläche des Tanzfotos gehen zwei Medien miteinander eine Symbiose ein: der bewegte Tanz und die festlegende Fotografie – Gegensätze, die größer kaum sein könnten. Denn es ist gerade die Bewegung, die in der Geschichte der Fotografie über das rein Dokumentarische hinaus die schlichte Abbildung eines spezifischen Inhalts überragt. Diese Bewegung...
Es ist nun mal Tradition. Zu einem Opernhaus gehört ein Ballett. In allen großen Städten ist das so. Und wo es mal nicht so ist, wie in Köln, wo man statt Ballett den zeitgenössischen Tanz in die Oper ließ, da gibt es bald gar keinen Tanz mehr. Davon haben sich die Schweden aber wenig beeindrucken lassen. Das altehrwürdige GöteborgsOperans Balett ist erst letztes...
