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Ekstase ist schwer angesagt: «Da trat ich aus mir raus», sagen die Tänzer, «geriet in einen flow», das «kann man nicht erklären», es war «wie eine Droge». Alexander Löwen nannte es 1975 in seinem Klassiker «Bioenergetics» «das Vibrieren des Körpers, das es ermöglicht, die unwillkürlichen Bewegungen des Körpers als Ausdruck seines Lebens und dessen Kraft zu erleben und zu genießen. Wenn ein Mensch davor Angst hat und meint, er müsse sich jederzeit voll unter Kontrolle haben, verliert er seine Spontaneität und endet als rigide eingebundene Persönlichkeit».
Ekstase ist also wie ein Diktat: du musst jetzt raus aus dir, das Ego endlich verlassen. Dieses «Aus-Checken aus dem Ich», auch bei Drogianern sehr beliebt, ist keine Erfindung von Hippies, sondern folgt den alten Lateinern: «Demonstratio absoluti stat cum evidentia», indem sie sich fragten, ob «nicht gerade die Liebesekstase der Beweis des Absoluten sei» (Luigi Malerba). Ah, das Absolute! Das muss herhalten; auch in Voodoo-Ekstasen, den Derwisch-Ekstasen, im Schamanismus und Candomblé. Immer ist der Tanz verantwortlich für dieses Austreten aus sich, um mal absolut zu Gott, mal zu den Dämonen zu gelangen. Und schon ist Tanz keine ...
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Ziya Azazi, Sie sind Sufi, Sie tanzen als Derwisch. Was spüren Sie beim Tanzen? Ist es für Sie ein ekstatischer Akt?
Ja. Mit meinem Körper und Geist bin ich am Zenit und fragil zugleich. Du hast das Gefühl, es geschieht mit dir was. Du bist so offen und aufnahmefähig, dass du dir alles erlaubst, es gibt keine Kontrolle. Man ist hungrig und satt, die Augen tränen und...
«Entspricht nicht die ‹Flüchtigkeit› des Tanzes dem neoliberalen Konzept der Vergänglichkeit von Waren und ihrer permanenten Neuproduktion?» Und welche Rolle spielt der Tanzlehrer? «Bei ihm kauft man im Unterschied zu einem Modeverkäufer dessen Körper und Körperwissen: Der Tanzlehrer also: Kunstvermittler, Hure oder Medium einer spezifischen Körpererfahrung?»
So...
Wir alle haben die Identität von Puppen
Geknutscht und umschlungen, umsorgt und behütet. Was stellten Mädchen nicht alles mit Ken und Barbie an. Jetzt träumen sie davon, dass ihnen auch selbst widerfährt, was sie einst ihren Puppen antaten. Erst mit Matchboxautos, dann mit PlayStation2 und bald auf der freien Wildbahn rasen die Jungs dem Leben davon, ballern...
