Bridget Breiner
Wie so vielen Kollegen, die ihre neue Direktion mit tollen Projekten antreten wollten, vermasselte auch ihr die Pandemie den Einstieg. Aber Bridget Breiner setzte beim Wechsel von Gelsenkirchen zum fast dreimal so großen Badischen Staatsballett ihre eigenwillige Programmierung fort und gestaltet seitdem einen erstaunlichen Spielplan, der in den Ballettabenden eben nicht die üblichen Verdächtigen zusammenwürfelt, sondern mit Neuentdeckungen, originellen Kombinationen, musikalischen oder inhaltlichen Themensetzungen immer wieder überrascht.
Die durchaus anspruchsvollen Stücke fordern ihre unterschiedlichen Tänzerpersönlichkeiten heraus, Breiner behielt dabei das große Tanzpublikum, das Birgit Keil zuvor in Karlsruhe aufgebaut hatte, und führte es einen Schritt weiter in die Ballettmoderne. Nur wenige Wochen, nachdem endlich ihre lang verschobene «Maria Stuart» Premiere feierte, ein großes historisches Handlungsballett samt Beteiligung des Opernchores, setzte sie einen Jazz-Abend mit Live-Musik und zwei Stunden purem, sinnlos-sinnlichem Tanz aufs Programm, den sämtliche Beteiligten genießen. Dabei entdeckte sie die Choreografin Stina Quagebeur vom English National Ballet für den ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Wegweisend, Seite 146
von Angela Reinhardt
Kent Nagano, haben Sie vor Ihrer Begegnung mit John Neumeier eigentlich Ballettaufführungen dirigiert?
Ja, meistens dort, wo ich auch Musikdirektor an einem Theater war, also in Lyon und München. Ich schätze Ballett und Tanz sehr und ich finde es persönlich wichtig, als Chefdirigent in Häusern, die eine starke Opern-, Philharmonie- und Balletttradition haben, auch...
Im weißen Cashmere-Pullover und mit einer überdimensional großen Armbanduhr am Handgelenk sitzt John Cranko immer noch täglich rauchend im Stuttgarter Ballettstudio und scheint dabei Gedanken verloren in sich hineinzuhorchen, während er auf die Schrittfolgen der Tänzer*innen achtet. Zumindest sieht es so aus, auf dem riesigen Schwarz-Weiß-Foto, das im Proberaum des...
1979. Zum ersten Mal tritt im Théâtre de la Ville in Paris eine unbekannte deutsche Gruppe unter der Leitung einer unbekannten deutschen Choreografin auf. Dieses fremde Ensemble von Tänzer*innen und Schauspieler*innen der «Opera de Wuppertal» aus einer – damals für mich und fast alle anderen – unbekannten deutschen Stadt präsentiert die zwei Stücke «Blaubart» und...
