blut, schweiß und ruhm
Der Vorhang öffnet sich, schwarz gähnt die Bühne des Palais Garnier, bis irgendwo in der Tiefe des Raums ein goldener Schimmer aufflackert und über stuckierte Wände irrlichtert. Kaum hat sich das Auge an die emporzüngelnden Mauer-Flämmchen gewöhnt, tauchen aus dem Nichts kleine Füße auf, sorgsam auswärts gerichtet. Ein paar Schritte, dann zeichnen sich darüber Unterschenkel, Knie, Beine, Hüften, Bauch, Schultern, Arme und Köpfe ab – kindlich noch und doch schon ins Ätherische entrückt.
Divi-sion um Division rücken sie gegen die Rampe vor, Mädchen und Jungen, 10- bis 18-Jährige, in Marschformation gegliedert. Rechts und links vom Meridian der Bühne beziehen sie Stellung und harren derjenigen, die als Letzte aus dem blattgoldveredelten Serail des «Foyer de la danse» nach vorne streben, vom Publikum enthusiastisch beklatscht: jene Étoiles genannten Star-Solisten, die an der Pariser Oper nicht nur das Corps de ballet anführen, sondern sich regelmäßig mit den Schülern der École de danse zum «Défilé» vereinen, um die Tradition ihrer Kunst genauso wie die Macht der eigenen Institution erstrahlen zu lassen.
Der Sonnenkönig und sein Komponist
Ein Spektakel, so recht nach dem Geschmack ...
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Tanz April 2013
Rubrik: praxis, Seite 68
von Dorion Weickmann
Das Eingangsbild: die gefilmte, unschuldige Neugier eines Babys. Dann bohrt ein Pressluftbohrer Löcher in den Bühnenboden: der Zorn des Teufels. Als Nächstes betritt eine Figur mit Vogelgott-Maske die Szene. Später blicken wir auf die Couch eines Psychiaters und den Tanz einer sich auflösenden Seele – zu Worten, die urkomisch wären, wenn sie nicht so authentisch...
newcomer_________
christine borch
Die Presse vergaß nicht, mehrfach die Schönheit der drei Tänzerinnen zu betonen, die auf einem runden Präsentierteller lagen, in delikat weiten Blusen, die stöhnten, orgiastisch atmeten und gemeinsam zu einem Höhepunkt kamen. Zur Eröffnung der «Tanztage» in Berlin sah man sie darauf in glücklicher Erschöpfung mit melodischen...
Eine «Matthäuspassion» ohne Chor, ohne Solisten, ohne Matthäus und überhaupt ohne Gesang? Wie geht das? Bei Emio Greco und Pieter C. Scholten steht Johann Sebastian Bachs Komposition im Dialog mit einem grotesken Tänzer und wird nicht nur auf dem Piano, sondern bisweilen auch auf dem Akkordeon gespielt. Das Choreografen-Duo aus Amsterdam geht der Beziehung zwischen...
