passione in due
Eine «Matthäuspassion» ohne Chor, ohne Solisten, ohne Matthäus und überhaupt ohne Gesang? Wie geht das? Bei Emio Greco und Pieter C. Scholten steht Johann Sebastian Bachs Komposition im Dialog mit einem grotesken Tänzer und wird nicht nur auf dem Piano, sondern bisweilen auch auf dem Akkordeon gespielt. Das Choreografen-Duo aus Amsterdam geht der Beziehung zwischen Bewegungen und Tönen so tabulos auf den Grund, als würden beide Sphären, voneinander ebenso fasziniert wie abgestoßen, einer gemeinsamen Gestalttherapie unterzogen: «Passione in Due».
Zwischen hochtrabenden Glücksgefühlen und tiefer Sehnsucht leiht Greco seinen Körper dem zum Kreuzestod Verurteilten. Siebenmal will er uns dringend etwas mitteilen, von «Ich muss euch sagen, dass mein Körper auf alles neugierig ist. Und ich bin mein Körper» bis «Ich muss euch sagen, dass ich euch verlasse und nur meine Statue zurückbleibt.» Genauso könnte er sagen: «… und dass nur Musik, dass nur meine Seele zurückbleibt.»
Im Lauf des 20. Jahrhunderts hat sich der tanzende Körper bekanntermaßen von der Bevormundung durch Rhythmen und Melodien emanzipiert. Macht das die Dinge einfacher? Gewiss nicht. Denn die beiden Kunstgattungen müssen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2013
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn
Strawinskys «Le sacre du printemps» peitscht durch den Ballettsaal des Grand Théâtre de Genève. Für das Ende dieses Nachmittags ist ein Durchlauf der neuen Choreografie von Andonis Foniadakis angesetzt, davor werden einzelne Szenen geprobt. Die Stimmung unter den acht Tänzerinnen und sieben Tänzern ist konzentriert, geschäftig und kollegial zugleich. Wer gerade...
Solange Bücher geschrieben werden und Menschen träumen, lebt auch das Ballett. Sagt im Interview Sergej Gordienko und liefert mit seinem Debüt als Ballettdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater gleich den überzeugenden Beweis. Erfahrung bringt der gebürtige Ukrainer mit: als Tänzer in Kiew, Ljubljana, Zagreb, Hannover, Ballettmeister dann in Bielefeld, Leipzig...
du bist ein Tänzer aus Mali. Die Vorurteile liegen auf der Hand. Du hast diese «besondere» Hautfarbe und eine für europäische Tänzerverhältnisse zu sportliche Physiognomie. Nun aber haben es alle aus den Nachrichten erfahren. Bei dir zu Hause herrscht Krieg. Jeder fragt dich besorgt: Stammst du aus dem Norden oder Süden von Mali? Auf einer zeitgenössischen Bühne...
