Blitzschnell
Blitzschnell hat es sich herumgesprochen, tagelang wurde darüber berichtet: Die Doppelspitze des Berliner Staatsballetts ist kollabiert. Johannes Öhman zieht es zurück in die schwedische Heimat, die Co-Intendanz mit Sasha Waltz ist erledigt.
Diese Lage, so verheerend sie zunächst wirken mag, birgt für die Berliner Kompanie, die Kulturlandschaft und das Tanzpublikum eine große Chance – so sie gesehen und so das Problem mit Bedacht gelöst wird. Nämlich indem man die fachinternen Entwicklungen der letzten Jahre einbezieht.
Zunehmend wagen sich Tänzer aus der Deckung, um über arbeitsrechtliche Unzulänglichkeiten, Machtgefälle, Gesundheitsschutz und Unterbezahlung zu sprechen. Sie forcieren diese Debatten trotz Gegenwind und persönlichem Risiko – und sie tragen sie in die Öffentlichkeit.
Die Berliner Tänzer und Tänzerinnen haben 2015 mit dem Streik für einen Haustarifvertrag und ihrem späteren Aufbegehren gegen die Berufung von Sasha Waltz – wie immer man dazu inhaltlich stehen mag! – eine entscheidende Rolle gespielt. Dem weit über 80-köpfigen Ensemble gelang es, geschlossen aufzutreten. Das ermutigte auch andere deutsche Kompanien. Aktivisten vernetzten sich deutschlandweit und ...
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Tanz März 2020
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Friedrich Pohl
In «Exhausting Space» waren es zuletzt 60 schwarze Eier, die den Spielraum gliederten. In «Dimension», der jüngsten Uraufführung, sind es vor allem farbig aufleuchtende Plexiglasplatten, die den Aktionsradius des Dance Theatre Heidelberg prägen. In ständigem Fluss, ähnelt die Anfangsszene nicht nur einem menschlichen Mobile. Das Ambivalente, das dabei immer...
Ein rhythmisch schwellendes Vibrieren ultratiefer Frequenzen grundiert das Lachen, Plaudern, Mantelrascheln der Zuschauer, die nach und nach das Linbury Studio der Londoner Royal Opera füllen. Ein dunkles Dröhnen. So hört sich schweres Wasser an, wenn man im Schiffsbauch kauert. Als die Lichter erloschen, die Gespräche verstummt sind, rückt der Klang näher. Ins...
Der Traum vom Aufstieg zu Ruhm, Gangsta-Kunst und dicken Goldketten, wie ihn uns die Schauläufe manch Testosteron-gesteuerter Rapper-Rivalen verkaufen: Beim «Wagner Project» im Frankfurter Mousonturm kräuselte dieser Traum Anfang Dezember nur in der Audition die Oberfläche. Ziemlich bald wich er dem einträchtigen Erlebnis der Auserwählten, der Nachwuchstalente, die...
