Kühle Körper

Mit «Aisha and Abhaya» wagen die Choreografin Sharon Eyal und der Regisseur Kibwe Tavares in London ein Multimedia-Experiment.

Tanz - Logo

Ein rhythmisch schwellendes Vibrieren ultratiefer Frequenzen grundiert das Lachen, Plaudern, Mantelrascheln der Zuschauer, die nach und nach das Linbury Studio der Londoner Royal Opera füllen. Ein dunkles Dröhnen. So hört sich schweres Wasser an, wenn man im Schiffsbauch kauert. Als die Lichter erloschen, die Gespräche verstummt sind, rückt der Klang näher. Ins Rollen und Rauschen mischen sich Keuchen und Wortfetzen. Plötzlich scheint etwas zu kippen, die akustischen Konturen werden stumpf. Geräusche gellen und ersticken wieder. Unter Wasser, über Wasser: Schwimmer-Soundscape.

 

«Aisha and Abhaya» erzählt von einer Flucht, und davon, was am anderen Ende wartet. Die Koproduktion von Royal Ballet und Rambert führt Künstler ganz verschiedener Richtungen zusammen: Die Choreografin Sharon Eyal bewegt die Tänzerinnen und Tänzer zum hypnotischen Techno ihres Kreativpartners Ori Lichtik. Von GAIKA stammen die lyrischeren, melancholisch-dichten Tracks. Sein Bruder Kibwe Tavares ist Hauptautor und für schwindelerregende, visuelle Hintergrund-Animationen und die drei Film-Kapitel zuständig, die die beiden Tanz-Abschnitte rahmen.  

Ein Tänzer aus Licht

Zwei junge Frauen kämpfen sich aus der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2020
Rubrik: Produktion, Seite 8
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
Tanzhaus NRW: Bettina Masuch

Das tanzhaus nrw wird getragen von einem Förderverein, der darüber bestimmt, wer das Haus nahe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs leitet. 2014 wurde Bettina Masuch dazu auserkoren. Im Dezember wäre ihr Vertrag ausgelaufen. Verlängert wurde er nicht, gekündigt auch nicht, eine Nachfolge wurde nicht gesucht. Der Verein war wohl zu sehr damit beschäftigt, die Finanzierung...

Anti-Waffen-Aktivist: Robert Fairchild

Seit seinem Broadway-Debüt 2015 in Christopher Wheeldons «An American in Paris» entdeckt sich der Balletttänzer Robert Fairchild kontinuier­lich neu – als Schauspieler, Musicalautor und Videoproduzent. Seine letzte Verbeugung als Principal des New York City Ballet liegt fünf Jahre zurück. Danach katapultierte er sich dank Wheeldons Produktion umgehend in den...

#3 Moritz Ostruschnjak «Unstern»

«Unstern», so nannte der in München lebende Choreograf Moritz Ostruschnjak sein viertes Stück, das im November 2018 im Münchner Schwere Reiter uraufgeführt wurde. Der Titel ergab sich aus der persönlichen Misere des freischaffenden Bühnenkünstlers: Nur wenige Tage vor der Premiere musste er ad hoc zwei Tänzer ersetzen. Der Titel «Unstern» aber umreißt vor allem in...