Kühle Körper
Ein rhythmisch schwellendes Vibrieren ultratiefer Frequenzen grundiert das Lachen, Plaudern, Mantelrascheln der Zuschauer, die nach und nach das Linbury Studio der Londoner Royal Opera füllen. Ein dunkles Dröhnen. So hört sich schweres Wasser an, wenn man im Schiffsbauch kauert. Als die Lichter erloschen, die Gespräche verstummt sind, rückt der Klang näher. Ins Rollen und Rauschen mischen sich Keuchen und Wortfetzen. Plötzlich scheint etwas zu kippen, die akustischen Konturen werden stumpf. Geräusche gellen und ersticken wieder. Unter Wasser, über Wasser: Schwimmer-Soundscape.
«Aisha and Abhaya» erzählt von einer Flucht, und davon, was am anderen Ende wartet. Die Koproduktion von Royal Ballet und Rambert führt Künstler ganz verschiedener Richtungen zusammen: Die Choreografin Sharon Eyal bewegt die Tänzerinnen und Tänzer zum hypnotischen Techno ihres Kreativpartners Ori Lichtik. Von GAIKA stammen die lyrischeren, melancholisch-dichten Tracks. Sein Bruder Kibwe Tavares ist Hauptautor und für schwindelerregende, visuelle Hintergrund-Animationen und die drei Film-Kapitel zuständig, die die beiden Tanz-Abschnitte rahmen.
Ein Tänzer aus Licht
Zwei junge Frauen kämpfen sich aus der ...
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Tanz März 2020
Rubrik: Produktion, Seite 8
von Wiebke Roloff Halsey
Man konnte sie bei der Premiere von Liam Scarletts «Swan Lake» am Londoner Royal Oper House bewundern: Vadim Muntagirovs Pas-de-deux-Variation mit dem schwarzen Schwan in Akt III, bestechend musikalisch, scheinbar mit einem Minimum an emotionalem Adrenalin ausgeführt und vollendet von einer Serie berauschend präziser Double tours, die dem Premierenpublikum...
Der Name Rambert ist unzertrennlich mit dem modernen Tanz verbunden. Was einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Denn die Namensgeberin und Gründerin von Schule und Kompanie, Marie Rambert, war nach allgemeiner Einschätzung eine eher dürftige Tänzerin und – nach eigener Aussage – völlig frei von choreografischem Talent. Auch als Künstlerische Leiterin scheint sie...
Mailand, Bologna: Mauro Bigonzetti, Live Arts Week
Italiens Publikum liebt Belcanto. Italiens Künstler lieben die Grenzüberschreitung. An der Mailänder Scala gibt es am 22. März eine Uraufführung des Komponisten Fabio Vacchi, «Madina», choreografiert von Mauro Bigonzetti. Darin geht es um eine Kamikaze-Pilotin, Madina, die sich entschließt, nicht zu töten, aber...
