Mach mal den Wagner
Der Traum vom Aufstieg zu Ruhm, Gangsta-Kunst und dicken Goldketten, wie ihn uns die Schauläufe manch Testosteron-gesteuerter Rapper-Rivalen verkaufen: Beim «Wagner Project» im Frankfurter Mousonturm kräuselte dieser Traum Anfang Dezember nur in der Audition die Oberfläche. Ziemlich bald wich er dem einträchtigen Erlebnis der Auserwählten, der Nachwuchstalente, die ihr Können zeigen und sich aus Workshops, Lectures und Live Acts so viel wie möglich abschauen wollten.
Wer als Zuschauer nicht schon wusste, dass hinter all dem Dissen zu DJ-Beats meist nur das formalisierte Ritualverhalten von Gegnern steckt, die sich so wenig wehtun wie Steinböcke in Rangkämpfen, lernte es spätestens jetzt. Seinen Namen verdankte das Format der Oper «Die Meistersänger von Nürnberg» von Richard Wagner. Den Sängerwettstreit des Originals verwandelten der japanische Theatermacher Akira Takayama und sein Team freilich in ein Workshop-, Showcase- und Lecture-Hybrid, das den Tanz mitbedachte. Weil Takayama gewohnt ist, die Grenzen des Theaters zu überschreiten, wirft er auch die Genres und Sparten zusammen. Was gut funktioniert.
Was tänzerisch rumkam, machte den kleineren Teil am «Wagner Project» aus. Im ...
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Tanz März 2020
Rubrik: Praxis, Seite 60
von Marcus Hladek
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