Mach mal den Wagner
Der Traum vom Aufstieg zu Ruhm, Gangsta-Kunst und dicken Goldketten, wie ihn uns die Schauläufe manch Testosteron-gesteuerter Rapper-Rivalen verkaufen: Beim «Wagner Project» im Frankfurter Mousonturm kräuselte dieser Traum Anfang Dezember nur in der Audition die Oberfläche. Ziemlich bald wich er dem einträchtigen Erlebnis der Auserwählten, der Nachwuchstalente, die ihr Können zeigen und sich aus Workshops, Lectures und Live Acts so viel wie möglich abschauen wollten.
Wer als Zuschauer nicht schon wusste, dass hinter all dem Dissen zu DJ-Beats meist nur das formalisierte Ritualverhalten von Gegnern steckt, die sich so wenig wehtun wie Steinböcke in Rangkämpfen, lernte es spätestens jetzt. Seinen Namen verdankte das Format der Oper «Die Meistersänger von Nürnberg» von Richard Wagner. Den Sängerwettstreit des Originals verwandelten der japanische Theatermacher Akira Takayama und sein Team freilich in ein Workshop-, Showcase- und Lecture-Hybrid, das den Tanz mitbedachte. Weil Takayama gewohnt ist, die Grenzen des Theaters zu überschreiten, wirft er auch die Genres und Sparten zusammen. Was gut funktioniert.
Was tänzerisch rumkam, machte den kleineren Teil am «Wagner Project» aus. Im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2020
Rubrik: Praxis, Seite 60
von Marcus Hladek
Blitzschnell hat es sich herumgesprochen, tagelang wurde darüber berichtet: Die Doppelspitze des Berliner Staatsballetts ist kollabiert. Johannes Öhman zieht es zurück in die schwedische Heimat, die Co-Intendanz mit Sasha Waltz ist erledigt.
Diese Lage, so verheerend sie zunächst wirken mag, birgt für die Berliner Kompanie, die Kulturlandschaft und das...
Der Name Rambert ist unzertrennlich mit dem modernen Tanz verbunden. Was einer gewissen Ironie nicht entbehrt. Denn die Namensgeberin und Gründerin von Schule und Kompanie, Marie Rambert, war nach allgemeiner Einschätzung eine eher dürftige Tänzerin und – nach eigener Aussage – völlig frei von choreografischem Talent. Auch als Künstlerische Leiterin scheint sie...
Gefragt wie immer: 377 Kandidaten haben sich für den Wettbewerb um den «Prix de Lausanne» beworben, der im 48. Jahr nicht auf angestammtem Terrain, sondern Anfang Februar im Auditorium Stravinsky Montreux stattgefunden hat. 84 Teilnehmer wurden nach Sichtung ihrer Videos zugelassen, 77 nahmen am Ende teil, darunter immerhin zwei Kandidaten aus Deutschland: Henri...
