Mach mal den Wagner
Der Traum vom Aufstieg zu Ruhm, Gangsta-Kunst und dicken Goldketten, wie ihn uns die Schauläufe manch Testosteron-gesteuerter Rapper-Rivalen verkaufen: Beim «Wagner Project» im Frankfurter Mousonturm kräuselte dieser Traum Anfang Dezember nur in der Audition die Oberfläche. Ziemlich bald wich er dem einträchtigen Erlebnis der Auserwählten, der Nachwuchstalente, die ihr Können zeigen und sich aus Workshops, Lectures und Live Acts so viel wie möglich abschauen wollten.
Wer als Zuschauer nicht schon wusste, dass hinter all dem Dissen zu DJ-Beats meist nur das formalisierte Ritualverhalten von Gegnern steckt, die sich so wenig wehtun wie Steinböcke in Rangkämpfen, lernte es spätestens jetzt. Seinen Namen verdankte das Format der Oper «Die Meistersänger von Nürnberg» von Richard Wagner. Den Sängerwettstreit des Originals verwandelten der japanische Theatermacher Akira Takayama und sein Team freilich in ein Workshop-, Showcase- und Lecture-Hybrid, das den Tanz mitbedachte. Weil Takayama gewohnt ist, die Grenzen des Theaters zu überschreiten, wirft er auch die Genres und Sparten zusammen. Was gut funktioniert.
Was tänzerisch rumkam, machte den kleineren Teil am «Wagner Project» aus. Im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2020
Rubrik: Praxis, Seite 60
von Marcus Hladek
Mailand, Bologna: Mauro Bigonzetti, Live Arts Week
Italiens Publikum liebt Belcanto. Italiens Künstler lieben die Grenzüberschreitung. An der Mailänder Scala gibt es am 22. März eine Uraufführung des Komponisten Fabio Vacchi, «Madina», choreografiert von Mauro Bigonzetti. Darin geht es um eine Kamikaze-Pilotin, Madina, die sich entschließt, nicht zu töten, aber...
Seit seinem Broadway-Debüt 2015 in Christopher Wheeldons «An American in Paris» entdeckt sich der Balletttänzer Robert Fairchild kontinuierlich neu – als Schauspieler, Musicalautor und Videoproduzent. Seine letzte Verbeugung als Principal des New York City Ballet liegt fünf Jahre zurück. Danach katapultierte er sich dank Wheeldons Produktion umgehend in den...
Der Choreograf und Artist in Residence des Royal Ballet London, Liam Scarlett, ist seit August 2019 suspendiert. Zudem hat er Hausverbot am Opernhaus in Covent Garden. Grund dafür ist der Verdacht, der 33-Jährige habe gegenüber Studierenden der Royal Ballet School sexuelles Fehlverhalten an den Tag gelegt.
Das Opernhaus hat das Personalunternehmen Linda Harvey...
