Bilderwelten
Eine Zeitschrift über Tanz? Das Gegenüber schaut mich verwundert an. Und schon ist man mitten in einem Gespräch über Bewegung, Raum, Körper und Text, Erinnern und Vergessen, Licht und Fotografie. Die Frage für mich als Gestalterin ist: Wie kann man Tanz vom multidimensionalen Theater- oder öffentlichen Raum in die Zweidimensionalität einer Zeitschrift oder eines Buchs übersetzen?
Entscheidend für diese Transformation ist die Fotografie.
Sie und der Tanz haben ein gemeinsames Interesse – der Körper in Bewegung – und eine lange gemeinsame Geschichte, die um die vorletzte Jahrhundertwende beginnt. Sie treffen aufeinander, als sich die Tanzkunst in einer Zeit der Neukonfiguration befindet, entlang der künstlerischen Avantgarden. Fotografie war schon seit ihrer Erfindung etwa fünfzig Jahre früher mit dem Problem beschäftigt, wie sich Bewegung abbilden lässt. Beide haben eine große Intimität und sind zugleich universelle und direkte Formen der Kommunikation, weil sie nicht mit Sprache operieren. Aus einem tiefen gegenseitigen Verstehen ist nicht nur eine Fülle an Bildern entstanden, die das kollektive Tanzgedächtnis bewahrt, sondern auch Modelle für künstlerische Kollaborationen. Ein ...
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Tanz Mai 2024
Rubrik: 30 Jahre tanz, Seite 62
von Marina Dafova
Tanzlabor
Judith Kuckart
Die jüngste choreografische Arbeit von Judith Kuckart beschäftigt sich mit sogenannten «Sofamenschen» und «Wandermenschen», die sich häufig gar nicht so sehr unterscheiden. In einem sparten- und generationenübergreifendem Labor treffen diese beiden Pole menschlichen Verhaltens aufeinander: Fünf Performer*innen, die in ihrem Leben bereits...
Man müsste dieses Stück filmen statt darüber zu schreiben. Das denke ich an diesem Abend mehrmals, wenn ich zwischen die wirbelnden Beine der neu zusammengesetzten Tanzkompanie St. Gallen blicke. Für die Tanzkritikerin ist die Perspektive ungewohnt, wurde sie doch in die allervorderste Reihe gesetzt, mit der Nase gewissermaßen auf der Bühne. Das hat durchaus seinen...
Eric Gauthier hat’s drauf. Egal, mit wem man spricht. Egal, wer von ihm erzählt. Egal, wo er gerade auftritt … im Fernsehen, vor Theater-Publikum, bei einer Diskussion. Man wird es nicht erleben, dass dem Kanadier und Wahl-Stuttgarter die Worte ausgehen. Weil er sich im Zweifelsfall mit seinem zauberhaften Denglisch immer in die nächste Runde rettet: «Tell me – wie...
