Frank Fannar Pedersen / Javier Rodríguez Cobos «Fordlandia»
Man müsste dieses Stück filmen statt darüber zu schreiben. Das denke ich an diesem Abend mehrmals, wenn ich zwischen die wirbelnden Beine der neu zusammengesetzten Tanzkompanie St. Gallen blicke. Für die Tanzkritikerin ist die Perspektive ungewohnt, wurde sie doch in die allervorderste Reihe gesetzt, mit der Nase gewissermaßen auf der Bühne. Das hat durchaus seinen Reiz, etwa, wenn die Tänzerinnen und Tänzer vor meinen Augen in den Orchestergraben verschwinden und da, unter mir, weiter schwofen. Großartig. Andererseits bin ich Anmache von der Bühne her mehr ausgesetzt.
Und prompt werden wir von der Tänzerin Swane Küpper als Eltern auserkoren und zu unserer angeblich da oben tanzenden Tochter befragt: Wie kam es? Was denken Sie über sie? Sind Sie stolz? Die Antworten werden aus dem Off gleich mitgeliefert, in schönstem Schweizer Akzent. Kann ich danach noch schreiben, dass dieses «Fordlandia» die Utopie einer Utopie geblieben ist und auf der Bühne nicht wirklich geglückt?
Ich muss. Gerade die Interaktion, die keine ist, zeigt im Kleinen, was an dem Abend von Frank Fannar Pedersen und Javier Rodríguez Cobos falsch gelaufen ist. Die Episode dauert ewig, gefragt wird immer weiter. Bis ...
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Tanz Mai 2024
Rubrik: Kalender, Seite 37
von Lilo Weber
Brüssel
KUNSTENFESTIVALDESARTS
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