Bacon Leibhaftig
1945 lautete das Verdikt der Kunstkritik, Bacon male «freaks and monsters»; grundsätzlich abgekommen ist man von der Lesart nicht. Immer noch unterstellt man dem Maler die – obzwar exzellente – Darstellung der «gequälten Kreatur», und «exzessiver Gewalttätigkeit». Und übersieht beinah, dass die menschliche, fleischliche Existenz, die er einfängt, nicht nur «ein Dasein zum Tode» ist, sondern auch viszerales, hingebungsvolles Leben. Lebendig. Weit mehr als statische akademische Tradition. Oft weit weniger morbid. Dagegen: voller Bewegung.
Was seine Bilder, die, zugegeben, auch abstoßend sind, so unwiderstehlich macht (und Bacon zu einem der teuersten Maler der Gegenwart), ist ihre unentrinnbare, fast haptische Sinnlichkeit. Sein Werk ist eine Chronik der Hingabe. Die legendäre Adresse dazu ist sein Atelier in:
«7, reece mews, london»
Nach diesem «Arbeits- und Empfindungsraum» hat der Münchner Choreograf Micha Purucker das ers-te einer Reihe von ihm komponierter Künstlerateliers benannt – immerhin, so Purucker, «der Ort, aus dem die Formulierung eines der signifikantesten Körperbilder des 20. Jahrhunderts stammt». Wie immer bei ihm ist das Konzept ganzheitlich und großzügig. Vier Abende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Beim ThüringenBallett krachen Leidenschaften aufeinander. In «Tangos for the Affectionate» des Portugiesen Hugo Viera geht es weniger um originale Schritte als um Atmosphäre: Tango im nebligen Zwielicht der Städte und Gefühle. Gitter gliedern den Raum, kanalisieren Emotionen, trennen die Geschlechter; Licht durch ein hängendes Drahtgeflecht rastert die...
Die Welt lebt von Grenzen. Der Kolonialismus zog sie willkürlich über die Landkarte. So grenzte man sich voneinander ab – so, wie die Moderne vom Ballett, das den Kolonialismus repräsentierte. Sagt Natasha Hassiotis
Seit fünfhundert Jahren ist Afrika kolonialisiert. Kolonialismus heißt: Die Ökonomie in einer Kolonie gehört ihr nicht. Arbeit wird nur aufgezwungen,...
Robert Rauschenberg hat die Tanzwelt fast nur als Bühnen- und Kostümbildner gekannt. Er tupfte für Trisha Brown und Merce Cunningham flirrenden Pointillismus in Pastellf arben auf Bühne und Kostüme. Die berühmten haut-engen Ganzkörperkondome sind von ihm – er gab sie auch Paul Taylor und Choreografen des Judson Dance Theater. Sogar die Schlabberklamotten, die heute...
