Auszeiten
Liebhaber deutscher Bühnenkunst in Argentinien hatten sich zu gedulden im April 1929: «Alexander Moissi [ist] mit anderen Passagieren an Bord eines Ozeandampfers leicht an Gelbfieber erkrankt. Das Schiff mußte deshalb in Buenos Aires in Quarantäne gehen, und Moissi war gezwungen, sein Gastspiel im dortigen Theater zu verschieben.» Wie heute erwiesen sich Schiffe schon damals als besonders «schnelle Brüter» für Infektionskrankheiten. Und wie heute bestrafen Zwangsmaßnahmen alle – vom Küchenjungen bis zum Superstar des deutschsprachigen Theaters.
Doch im Gegensatz zum Frühjahr 2020, in dem wir von der rapiden «Durchseuchung» von Kreuzfahrtschiffen und Flugzeugträgern lesen, war 1929 das Schiff ein unverzichtbares Verkehrsmittel. Wer eine Übersee-Reise tat, der hatte nicht nur etwas zu erzählen, sondern wusste auch um systembedingte Nachteile: Quarantäne-Maßnahmen waren fast so häufig und selbstverständlich wie bis vor wenigen Jahren die Passkontrolle am Flughafen.
Luxus-Quarantäne in Verona
Das galt in vormodernen Zeiten bisweilen sogar für den Landweg: So mussten im Oktober 1738 Johann Adolf Hasse und Faustina Bordoni bei der Einreise in die Republik Venedig zwei Wochen in ...
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Tanz Juni 2020
Rubrik: Traditionen, Seite 42
von Anselm Gerhard
«Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress. Tagsüber behandle ich...
Ganz unten aufgedonnert und am Ende der Nahrungskette platziert: So empfindet der Berliner Tänzer und Choreograf Jochen Roller Anfang Mai die Situation der freien Tanzschaffenden in der Corona-Krise. Sieben Wochen nach der Schließung aller Theater hängen die Solo-Selbstständigen in der Luft: Auftrittsmöglichkeiten und damit Gagen fallen über Monate hinweg aus. Für...
Wer kleinere Theater besucht, hat öfter mal das Pech, hinter einer Kamera zu sitzen, die einem während der Vorstellung mit hell strahlendem Monitor zeigt, wie sehr ihr Objektiv geeignet ist, dasselbe ganz anders zu sehen als das eigene trübe Auge. Man ist gezwungen, immer hin und her zu switchen vom Bild der Bühne zum Bild der Kamera – auch wenn man triumphieren...
