Abschied: Traudl Kuppe-Loew
«Nie werde ich vergessen, wie stark der Eindruck war, den sie damals in den 50er-Jahren auf mich machte und der bis heute nachwirkt.» Wer solches sagt über Traudl Kuppe-Loew, ist nicht irgendwer, sondern eine der brillantesten Ballerinen, die es jemals in Deutschland gegeben hat: Birgit Keil. Für kurze Zeit besuchte sie deren Ballettunterricht.
«Ich erinnere mich», so die langjährige Direktorin des Badischen Staatsballetts, «an ihre strahlende Persönlichkeit, ihre Schönheit und ihr liebevolles und gleichzeitig vor Energie sprühendes Wesen, das den Saal erfüllte und uns junge Mädchen mit Begeisterung ansteckte.»
Der Eindruck ist umso bewundernswerter, wenn man sich das Schicksal von Traudl Kuppe-Loew in Erinnerung ruft. Als Kind einer Allgäuer Kaufmannsfamilie in Kempten geboren, entkam sie 1939 gerade noch dem Nazi-Terror, schlüpfte in einer Chaplin-Familie unter und finanzierte sich in London ihr pädagogisches Survival-Training an der Royal Academy of Dancing als Krankenschwester und als Mechanikerin.
Kaum zurück in Deutschland, gründete sie im Zentrum Stuttgarts ein eigenes Ausbildungsinstitut, das sich zu einer kleinen, aber feinen Ballettadresse entwickelte. Zahlreiche ...
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Tanz Juni 2020
Rubrik: Praxis, Seite 57
von Hartmut Regitz
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