Aus Bangkok

Arnd Wesemann im 64. Stock

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In Bangkok fahren keine Rikschas mehr. Der alltägliche Stau findet in klimatisierten Limousinen statt. Die letzten Orte wahrhaft tropischer Erfahrung in Thailands Metropole sind in den 64. Stock verbannt, ins wohl höchste Open-Air-Restaurant der Welt. In der lauen Nacht überschaut man bei Kerzenschein, französischem Rotwein und australischem Edelsteak eine Stadt, aus der so «exotische» Künstler stammen wie Pichet Klunchun.

Er ist ein wunderbarer Tänzer, der in Europa gerade mit «Pichet Klunchun and Myself» dem großen französischen Tanzsemiotiker Jé­rôme Bel zeigt, wie man Khon tanzt: das Tanzdrama aus Thailand, das auf den indischen Epos des Ramajana zurückgeht. 
Erzählt wird vom Krieg des königlichen Prinzen Rama mit dem Affengott Hanuman und seinen Affenkriegern. Halb Schöpfungsmythos, halb Tragödie, sind den Göttern die Hände gebunden. Shiva kann die Welt zerstören, aber nicht retten. Vishnu kann die Welt retten, aber nicht erschaffen. Brahma kann die Welt erschaffen, aber nicht zerstören. In der getanzten Schlacht aller an Menschen, Geister und Tiere weiter gereichten göttlichen Interessen sind die Giganten, Krieger und Dämonen durch klassische Stereotypen festgelegt. Masken ...

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Tanz April 2006
Rubrik: Ein Brief, Seite 45
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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