Stichprobe: Die Nurejew-Gala
Wumm, wieder ist einer gelandet! Ein echter Kontrapunkt zum leisen Tschaikowsky und dem sanft pastellenen Licht. Die Bretter des Prinzregententheaters sind berüchtigt für ihre Percussion-Akustik. Für Tanz eingeschränkt geeignet. For what goes up, must come down. Bei der Nurejew-Hommage «Thank you, Rudy!» lief vieles nicht glatt.
Vergessen wir das Rätselraten um die Programmfolge. Ob «Dornröschen» zuerst oder «Romeo und Julia» vielleicht – is doch wurscht. Hauptsache die Musik geht los und da stehen zwei Tänzer.
Gut, auch ein Einsatz kann mal daneben gehen, kein Beinbruch. Doch, denn Ballett verzeiht nicht. Es ist entweder grandios oder lächerlich. Es läuft wie geschmiert oder riecht nach Provinzzirkus. Wir sind im 21. Jahrhundert; das Publikum kann sich den Original-«Rudy» jederzeit auf den Bildschirm holen, ohne Abstriche bei der eigenen Bequemlichkeit oder der Qualität der Darstellung. Live muss besser sein.
Wenigstens besser als hier. Im Prinze rattert die Illusionsmaschine gefährlich laut. Einführung: warme Worte vom früheren Nurejew-Manager Luigi Pignotti. Bio-Clips und Rudy-Tanzvideo-Splitter aus der Zeit vor Super 8. Das ist rührend. Die Conférencière flüchtet ohne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In den 1920er Jahren hatte sich der moderne künstlerische Tanz als Teil der Lebensreformbewegungen etabliert. Er war zu einer Art Massenbewegung geworden, mit einer Vielzahl von Teilnehmern, deren tanztechnisches Niveau mäßig bis schlecht war. Das öffentlich präsentierte Mittelmaß und auch das Beharren auf «seelischem Ausdruck» im Tanz ohne ausreichende persönliche...
Mit Berliner Historie im Kopf ließe sich fragen, ob da wohl etwas zusammenwächst, was zusammengehört. Zwischen Sasha Waltz, Schubert und Ballett. Es geschah nicht in Berlin, sondern in Lyon, dass Waltz in der Folge von «Impromptus» Schubert eine «Fantasie» entlockt. Eine Art Impromptu war es auch, sich erstmals ohne sasha waltz & guests in eine Kreation zu...
Auch die Welt der Kunst hat lernen müssen, mit dem Druck ökonomischer Effizienz und den Kriterien der Profiterwirtschaftung zurechtzukommen. Der Künstler ist risikobereit wie ein Unternehmer oder Freiberufler. Eigentum, Profit und Entlohnung basieren auf der Eigeninitiative, mit der der Künstler als eigenständiger Schöpfer auftritt. Zugleich rückt die ausgeprägte...
