Augsburg: Virtual reality «shifting_perspective»

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Statt Tickets bringt der Bote eine weiße Box. Die sieht aus wie ein Deluxe-DVD-Set und scheint kaum das passende Accessoire für einen Ballettabend zu sein. Das täuscht. Denn das Staatstheater Augsburg geht raus aus den eigenen vier Wänden – «outside the box», so der Titel des Programms – und kreuzt Live-Erlebnis und virtuelle Realität.

Im Karton steckt eine Virtual-Reality-Brille: wiederverwendbar und damit nachhaltig, frei Haus geliefert, frisch desinfiziert und vom Absender mit dessen erster, speziell für den Hausgebrauch des Zuschauers geschaffenen Tanzproduktion «shifting_perspective» bespielt.

Während die wie Taucherbrillen ohne Durchblick anmutenden, grau-schwarzen Hi-Tech-Geräte für Gamer nichts Neues sind, betrachtet das reifere Publikum sie zunächst mit Skepsis. Dabei kommt dieser garantiert kontaktfreie Hausbesuch der von Ricardo Fernando geleiteten Tanzkompanie zu Corona-Zeiten auch und gerade Älteren zupass. Die Handhabung ist einfach: Brille auf, Performance ab. Statt Handtasche und Lutschpastillen braucht es dazu einen drehbaren Stuhl – und möglichst eigene Kopfhörer.

Dann erscheint Gabriela Finardi als Rückenfigur vor dem Auge des Betrachters auf einer großen ...

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Tanz Juni 2020
Rubrik: Kritik, Seite 36
von Claudia Reicherter

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