Ritter ohne Rüstung

Jahrelang gab der Tänzer Jorge Nozal dem Nederlands Dans Theater in Den Haag ein Gesicht. Nun verabschiedet er sich: nach einer brillanten Karriere, die nicht schierer Ehrgeiz, sondern ein innerer Antrieb befeuerte. Von Sander Hiskemuller

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Wenn man in den 1980er-Jahren durch San Sebastián im spanischen Baskenland spazierte, konnte man in einem Park oder auf einem kleinen Platz leicht auf einen tanzenden Jungen mit feurigen Augen stoßen, umringt von Zuschauern, die ihn unter der Nachmittagssonne lautstark anfeuerten. Jorge Nozal (Jahrgang 1978) sagt, er sei als Tänzer geboren. Bei den üblicherweise fröhlichen Familienfeiern spielte sein Großvater Saxofon. Die Bewegung dazu schoss wie von selbst in die Hüften. Jorge Nozal erzählt dies am Telefon.

Dass wir uns wegen Corona nicht live in die Augen sehen können, hindert diesen beeindruckenden Tänzer nicht daran, über seine Karriere sehr gründlich zu reflektieren: «Ich kann mich nicht erinnern, jemals nicht getanzt zu haben», sagt er. In der Familie liege das nicht. Seine Mutter ist Friseurin, der Vater Elektriker: «Eine hart arbeitende, einfache Familie, in der ich eine sehr glückliche Kindheit hatte. Ich gehe noch immer gerne nach Hause zurück.»

Er lacht über das Kind, das er damals war, spindeldürr mit schlaksigen Gliedern. Manchmal sieht er sich das Video seiner ersten Aufführung in der örtlichen Tanzschule an, dem Conservatorio Municipal de San Sebastián. Der ...

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Tanz Juni 2020
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Sander Hiskemuller

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