Annett Göhre «Marie! Romy! Petra!»
Das Zwickauer Theater sitzt im historischen Gewandhaus, ist frisch renoviert und ausgesprochen heimelig. Im Foyer hängen in langgezogener Rautenformation die Konterfeis sämtlicher Künstler*innen auf der Payroll des hier und im 40 Kilometer entfernten Plauen stationierten Hauses: drei Sparten, dreißig Köpfe. Zehn davon entfallen auf den Tanz, dem seit 2015 Annett Göhre vorsteht.
Sie kommt mit einer Stellvertreterin aus, die zugleich als Ballettmeisterin und Ersatztänzerin fungiert, teilt sich die Dramaturgie mit Oper und Konzert und hat nichtsdestotrotz renommierte Gastchoreografen wie Ishan Rustem oder Guillaume Hulot verpflichtet. Im Lockdown verwandelte sie Strawinskys «Geschichte vom Soldaten» in ein Outdoor-Abenteuer, jetzt steht ein Projekt auf dem Programm, das jüngere Zeitgeschichte mit Frauenpower verbindet: «Marie! Romy! Petra!».
Drei quadratische Kästen schälen sich aus dem Dunkel. In der mittleren Kammer blinzelt eine Frau in verspiegelte Wände. Sie trägt rote Hosen, schwarzes Top, eine modisch selbstbewusste Montur. Trotzdem wirkt sie verunsichert und einsam. Sekunden später öffnen sich Wandschlitze, gierige Hände drängen herein. Nicht zwei oder drei, sondern acht, ...
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Tanz März 2022
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Dorion Weickmann
Es ist ihr Abschiedsgeschenk an die Kompanie, die sie in den vergangenen neun Jahren geleitet hat: Tamara Rojos Bearbeitung von Marius Petipas «Raymonda»-Choreografie, uraufgeführt 1898 zur ersten Ballett-Komposition Alexander Glasunows. Seit 1964 hat keine britische Ballettkompanie das Werk in voller Länge aufgeführt; entsprechend gründlich hat Rojo ihr...
Die Rue de Montorgueil ist eine teilweise verkehrsberuhigte Einkaufsstraße im Zentrum von Paris. 1878 malte Claude Monet das bunte Treiben in der Gasse, die heute gesäumt ist von Feinkostläden, Restaurants und kleinen Boutiquen. Am Eingang der Straße steht ein Kastenwagen, Mathilde, eine junge Frau im Sommerkleid, steigt aus, in der Hand einen Ghettoblaster. Ein...
Londons Tanzhaus Sadler’s Wells im Stadtteil Islington muss schon lange aus allen Nähten platzen: Residenzkünstler*innen und -kompanien, dazu pausenlos Vorstellungen, Gastspiele aus dem Vereinigten Königreich und der ganzen Welt – okay, auch wenn es sich gerade aus pandemischen Gründen anders verhält, schaut man in eine verheißungsvolle Zukunft. 2023 will das...
