Annett Göhre «Marie! Romy! Petra!»
Das Zwickauer Theater sitzt im historischen Gewandhaus, ist frisch renoviert und ausgesprochen heimelig. Im Foyer hängen in langgezogener Rautenformation die Konterfeis sämtlicher Künstler*innen auf der Payroll des hier und im 40 Kilometer entfernten Plauen stationierten Hauses: drei Sparten, dreißig Köpfe. Zehn davon entfallen auf den Tanz, dem seit 2015 Annett Göhre vorsteht.
Sie kommt mit einer Stellvertreterin aus, die zugleich als Ballettmeisterin und Ersatztänzerin fungiert, teilt sich die Dramaturgie mit Oper und Konzert und hat nichtsdestotrotz renommierte Gastchoreografen wie Ishan Rustem oder Guillaume Hulot verpflichtet. Im Lockdown verwandelte sie Strawinskys «Geschichte vom Soldaten» in ein Outdoor-Abenteuer, jetzt steht ein Projekt auf dem Programm, das jüngere Zeitgeschichte mit Frauenpower verbindet: «Marie! Romy! Petra!».
Drei quadratische Kästen schälen sich aus dem Dunkel. In der mittleren Kammer blinzelt eine Frau in verspiegelte Wände. Sie trägt rote Hosen, schwarzes Top, eine modisch selbstbewusste Montur. Trotzdem wirkt sie verunsichert und einsam. Sekunden später öffnen sich Wandschlitze, gierige Hände drängen herein. Nicht zwei oder drei, sondern acht, ...
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Tanz März 2022
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Dorion Weickmann
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Noch immer sind die Tänzer des Nederlands Danstheater eigenwillige, höchst unterschiedliche Individuen, und doch ähneln sie unter der neuen Direktorin Emily Molnar stärker den athletischen kleinen Kraftpaketen, wie man sie in so vielen modernen Kompanien sieht. Gerade in einem Geniestreich wie «Toss of a Dice» vermisst man die langgliedrige Geschmeidigkeit, die...
Viele warten ein Leben lang auf den Anruf, der ihr Leben verändert. Doch er kommt nie. Für Cathy Marston lief es umgekehrt: Im Juni 2021, mitten in der Pandemie, fragt der Zürcher Opernintendant Andreas Homoki an, ob sie Interesse hätte, für zwei Spielzeiten die Direktion des Balletts zu übernehmen. Auf seiner Liste mit potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten...
