Sanfter Widerstand

Die Choreografin Cathy Marston feiert weltweit Erfolge. Doch 2023 lässt sich die Britin mit Schweizer Pass wieder fest an ein Haus binden: als Tanzchefin beim Ballett Zürich. Ein Traumjob mit Haken.

Viele warten ein Leben lang auf den Anruf, der ihr Leben verändert. Doch er kommt nie. Für Cathy Marston lief es umgekehrt: Im Juni 2021, mitten in der Pandemie, fragt der Zürcher Opernintendant Andreas Homoki an, ob sie Interesse hätte, für zwei Spielzeiten die Direktion des Balletts zu übernehmen. Auf seiner Liste mit potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten stehe ihr Name ganz oben. «Die Anfrage kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel», sagt Marston.

Eigentlich hätte sie auf der Stelle zusagen müssen: Das Ballett Zürich ist mit 36 Tänzerinnen und Tänzern das größte professionelle Ensemble der Schweiz, mit der angegliederten Juniorkompanie kommt man auf fünfzig Köpfe. In jedem Fall rangiert die Kompanie unter den Besten Europas: Unter der Leitung von Christian Spuck wurde das Ballett Zürich 2020 zur «Kompanie des Jahres» (tanz jb/20) gewählt. Zudem liegt Marston das Haus persönlich am Herzen, hier hat sie im Alter von 18 Jahren ihre Tanzkarriere gestartet.

Doch sie zögert, denn das Angebot hat einen Haken: Ihr Vertrag soll eben nur bis 2025 laufen, dann wechselt die Opernintendanz – Matthias Schulz beerbt Homoki. «Was kann ich innerhalb eines so kurzen Zeitraums und ohne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2022
Rubrik: Menschen, Seite 33
von Marianne Mühlemann

Weitere Beiträge
Treffpunkt Berlin

Die Jury, der neben Arlette-Louise Ndakoze, Matthias Quabbe, Ana Vujanovic und unserer Autorin Melanie Suchy auch Annemie Vanackere und Ricardo Carmona vom gastgebenden Hebbel am Ufer (HAU) angehörten, hat ein enorm vielseitiges Programm zusammengestellt: eine Art Prisma der Gegenwartstendenzen. Zwei der geladenen Stücke haben wir bereits vorgestellt, Julian Webers...

Ausstellungen 3/22

ZWISCHEN ERFOLG UND EXIL
otte Jacobi (1896 – 1990) war eine der wichtigsten fotografischen Chronistinnen der Kunstszene im Berlin der Weimarer Republik – und damit auch des Theaters und des Tanzes, der sich damals vehement vom Dogma der schönen Bewegung löste. Die Ausstellung «Zwischen Erfolg und Exil» koppelt Jacobis Fotografien mit den Scherenschnitten von Lotte...

Eisa Jocson «Manila Zoo»

Lächeln! «Hallo Frankfurt, ist das nicht toll so, live, und die Tänzerinnen und Tänzer sind in Brüssel und an mehreren Orten der Philippinen!», begeistert sich Eisa Jocson in ihrer Ansprache ans Publikum im Theater in der interaktiven Phase der «disembodied performance», wie sie den Abend nennt. Entkörperlicht. Die Choreografin und Tänzerin schaut, falls man ihr...