Lasst das Mädchen tanzen

Die Ausstellung «The World of Music Video» im Weltkulturerbe Völklinger Hütte verbindet Sound, Bild und Tanz.

Die Rue de Montorgueil ist eine teilweise verkehrsberuhigte Einkaufsstraße im Zentrum von Paris. 1878 malte Claude Monet das bunte Treiben in der Gasse, die heute gesäumt ist von Feinkostläden, Restaurants und kleinen Boutiquen. Am Eingang der Straße steht ein Kastenwagen, Mathilde, eine junge Frau im Sommerkleid, steigt aus, in der Hand einen Ghettoblaster. Ein kurzes Zögern, dann hebt sie ihr Kleid und schreitet nackt übers Kopfsteinpflaster.

Aus dem Ghettoblaster dröhnt derber Electroclash, manchmal hält sie sich das Gerät vor den Intimbereich, meist verdecken schwarze Balken Brüste und Vulva.

Der 2009 veröffentlichte Song «Baby Baby Baby» des kurzlebigen Elektro-Projekts Make the Girl Dance ist heute, wahrscheinlich zu Recht, vergessen. Das dazugehörige Musikvideo ist es nicht. Schon alleine wegen seiner historischen Verdienste. «Baby Baby Baby» erschien zu einer Umbruchszeit, das klassische Musikfernsehen von Sendern wie MTV und Viva war tot, und kurzzeitig bot sich die Möglichkeit, Clips an der Grenze zur Kunst zu drehen. Waren Musikvideos früher reine Werbemedien, meist ohne ästhetischen Anspruch, konnte man jetzt plötzlich Formen ausprobieren. Zwar mit minimalem Etat, aber ...

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Tanz März 2022
Rubrik: Bewegung, Seite 6
von Falk Schreiber

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