Kylián, Mascarell, Goecke «Traces Left Within»
Noch immer sind die Tänzer des Nederlands Danstheater eigenwillige, höchst unterschiedliche Individuen, und doch ähneln sie unter der neuen Direktorin Emily Molnar stärker den athletischen kleinen Kraftpaketen, wie man sie in so vielen modernen Kompanien sieht. Gerade in einem Geniestreich wie «Toss of a Dice» vermisst man die langgliedrige Geschmeidigkeit, die jahrzehntelang der Inbegriff des modernen Balletts war. Es ist eines von Jiří Kyliáns späten, surrealistischen Stücken, eigentlich eine philosophische Versuchsanordnung über den Zufall und unser Verlorensein in der Welt.
Von hoch oben schickt ein Mobile aus spitzen Metallobjekten irritierende Reflexionen durch die Dunkelheit, auf Lichtstraßen sammeln sich die Menschen im Versuch einer Ordnung. Zu Paaren vereinsamt, greift ihre Bewegung das Gegen- und Ineinander-Rotieren des Mobiles auf. Aus dem Geräusch eines Wassertropfens schuf Komponist Dirk Haubrich einen melancholischen Click-Track, in den leise die Worte des titelgebenden Mallarmé-Gedichts «Un coup de dés» hallen: vom Würfelwurf, der den Zufall niemals auslöschen wird.
Wie fashionable erscheint gegen solch herbe Schönheit die Novität «How to cope with a sunset when ...
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Tanz März 2022
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Angela Reinhardt
Spotlight
ASZURE BARTON
«Ich bin nicht Alexei Ratmansky», sagte Aszure Barton bedauernd in der tanz-Ausgabe vom Mai 2014, als sie auf das Genre Erzählballett angesprochen wurde. Dafür müsse man ein Meister sein, meinte die Choreografin – und das sei sie eben nicht. Deshalb hat sie Aufträge für Handlungsballette bislang stets abgelehnt und ausschließlich...
Lächeln! «Hallo Frankfurt, ist das nicht toll so, live, und die Tänzerinnen und Tänzer sind in Brüssel und an mehreren Orten der Philippinen!», begeistert sich Eisa Jocson in ihrer Ansprache ans Publikum im Theater in der interaktiven Phase der «disembodied performance», wie sie den Abend nennt. Entkörperlicht. Die Choreografin und Tänzerin schaut, falls man ihr...
Sie kennen das Haus aus dem Effeff. Gleiches gilt umgekehrt: Man geht keine zwei Schritte, ohne dass es aus irgendeiner Ecke «Oh Victoria!» schallt. Oder «Menschenskind – Julian!». Dabei ist es gut zwanzig Jahre her, dass sich Victoria Lahiguera und Julian Tonev von der Berliner Staatsoper verabschiedet und ihr eigenes Tanzstudio gegründet haben. An einem trüben...
