Anna Nguyen «Matière(s) Premiére(s)»
Tänze sind Rohstoffe, sagt Anne Nguyen mit dem Titel ihres Stücks «Matière(s) première(s)». Und diese lassen sich sozusagen abbauen und veredeln. Obwohl – so ähnlich verfuhren ja schon die Kolonialmächte auf afrikanischem Boden. Nguyen setzt dagegen Tanzstile aus verschiedenen Epochen und Kontexten des Kontinents in Szene, von traditionell bis afro-urban, direkt aus afrikanischen Metropolen. Und da wird getanzt, gemixt und kreolisiert, dass einem der Kopf schwirrt.
Das einstige B-Girl aus Frankreich ist dabei praktisch eine Forscherin, die Verknüpfungspunkte zwischen verschiedenen Musik- und Tanzwelten entschlüsselt. «Der Hip-Hop ist das Eingangstor in den Soul, und von da gelangt man zu noch älteren afro-amerikanischen Musikstilen bis zu Gospel und Spirituals». Hip-Hop sei ohnehin nur ein Sammelbegriff für die afro-amerikanischen urbanen Tänze, die natürlich auch auf die afrikanischen Metropolen zurückgehen, genau wie die sogenannte «danse afro», die derzeit die französischen Teenager umtreibt, bis auf die Schulhöfe. Das hat wiederum mit TikTok und dessen Einfluss auf Modeströmungen zu tun. So bemächtigen sich die urbanen afrikanischen Tänze, die direkt vom Kontinent und ohne den ...
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Tanz Mai 2024
Rubrik: Kalender, Seite 30
von Thomas Hahn
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