Alpha-Mann im Sand

Vicky Cortes: «Der Sandkasten» in Hamburg

Tanz - Logo

Einmal den Caveman in sich raushängen lassen. «Der Sandkasten» ist Arena für animalische und barbarische Spielchen unserer lieben Kleinen. Für das in der Kampnagelfabrik uraufgeführte Tanztheaterstück schickte Vicky Cortes die Älteren in die Buddelkiste zum infantilen Austoben verdrängter Fantasien. Das Ergebnis: eine bizarre Körper-Installation mit ausgiebigen Gefühls- und Staub-Wechselbädern.


Die in Costa Rica geborene und zwischen den Kontinenten, seit 1999 vorwiegend in Hamburg lebende und arbeitende Choreografin hat sich für die interdisziplinäre Performance zweier bildender Künstlerwüteriche aus dem Kollektiv Wuuul versichert. Heino Staver-­ mann und Alexander Höpfner machten mit drei Kollegen und dem bei der Artgenda 2002 spektakulär in die Elbe katapultierten «Riesenbratling» Schlagzeilen. Die Folge: ein medial angeheizter Streit über die Freiheit von Kunst.
Genau darum geht’s. Und noch um mehr: Um die Freiheiten des bereits auf dem Spielplatz dressierten und normierten Individuums. Sie imaginiert sich pa­rodistisch als Kung-Fu-Meisterin und keck die Schultern schüttelnde Ringrichterin. Zwischen Schaukel und Rutsche weckt sie den Superman-Wahn im nackten Mann, um den ewigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2005
Rubrik: On Stage, Seite 40
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Transitions

Er war eine der auffallendsten Persönlichkeiten auf allen Tanzkongressen, nicht allein seiner buschigen Augenbrauen wegen. Gedeon Dienes hatte was zu sagen, und er ergriff polyglott bei jeder sich bietenden Gelegenheit gern das Wort. Schließlich hatte er nicht nur die französische und ungarische Literatur studiert, sondern auch Jurisprudenz und Choreologie – und...

Ein weicher Kern

Man kann in keiner Stadt wohnen, ohne sie nicht zu entdecken: Plakate annoncieren jedes Jahr zu Weihnachten den «Nussknacker». In manchen Familien gehört der Besuch dieses Lev-Ivanov-Balletts aus dem Jahr 1892 ebenso zur Vorweihnacht wie die ganze Hatz um Baum und Schmuck, Gans und Geschenke. Irgendwie erinnert die Geschichte um Marie und ihren Nussknacker ja auch...

Bremer Beerdigung

Ein Begräbniszug überquert in Urs Dietrichs neuer Choreografie «Flacon» die Bühne des Bremer Schauspielhauses. Zwei Trippelschritte vor, einer zurück. Die verschleier­ten Frauen in schwarzen Roben scheinen auf der Stelle zu treten – genau wie die Politiker mit ihrer Hinhaltetaktik in der Bremer Theaterkrise. Das Bild ist deutlich: Als ob mit dem Trauerspuk das...