Ein weicher Kern
Man kann in keiner Stadt wohnen, ohne sie nicht zu entdecken: Plakate annoncieren jedes Jahr zu Weihnachten den «Nussknacker». In manchen Familien gehört der Besuch dieses Lev-Ivanov-Balletts aus dem Jahr 1892 ebenso zur Vorweihnacht wie die ganze Hatz um Baum und Schmuck, Gans und Geschenke.
Irgendwie erinnert die Geschichte um Marie und ihren Nussknacker ja auch an die bürgerliche Welt aus einem untergegangenen Jahrhundert, als der Tannenbaum in die Stube kam und der Biedermann zur Utopie wurde: Rückzug aus den politischen Wirren der Zeit, damit es ein Privates gäbe ohne Revolution, Armut und Krieg. Und in dieses besinnliche Träumen von besseren Zeiten platzt der «Nussknacker» herein, der, wie Dorion Weickmann schreibt, die Initiation eines Mädchens vorführt. Die Geschlechtsreife erwacht. Was?
Ist der «Nussknacker» wirklich ein Weihnachtsmärchen? Auch Marion Kant und Sebastian Moll haben sich umgeschaut, in der Hochburg des «Nussknackers», in den USA. Im Land der Prüderie und Sittsamkeit verdienen Kompanien nahezu die Hälfte ihres Salärs durch ein Ballettmärchen, das Marie aus furchtbaren Sexualfantasien befreit. Der Nussknacker nimmt dem Mädchen ja nicht nur die Angst vor ...
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