Alain Platel: "Nine Finger"
Das hätte man von Alain Platel nicht erwartet: eine Geschichte von A bis Z, und nichts bleibt unausgesprochen. Vielleicht, weil das Thema so prekär ist: Der Ich-Erzähler des Romanerstlings «Beasts of No Nation» ist ein afrikanischer Kindersoldat. Der ihn sprechen lässt, ist ein Afroamerikaner mit nigerianischen Vorfahren namens Uzodinma Iweala. Er erzählt, was über die Grenzen Afrikas hinausweist. Platel hat die Textpassagen zu einer erzählerischen Handlung verdichtet und sie auf zwei Akteure verteilt.
Fumiyo Ikeda, seit zwanzig Jahren Tänzerin bei Anne Teresa De Keersmaeker, und der politisch engagierte Schauspieler Benjamin Verdonck verwandeln die Studiobühne der Königlich-Flämischen Schauburg in Brüssel in ein emotionales Schlachtfeld. «Nine Finger» spielt im Titel auf den Abzählreim «Zehn kleine Negerlein» an. Es handelt von unwiederbringlichen Verlusten, der Kindheit und dem Tod, den der Kindersoldat nicht in seinen bestialischen Taten erkennt, sondern im Sterben seines Kameraden. Platel, Ikeda und Verdonck spielen mit vollem Körpereinsatz «armes Theater»: Ein Karton, zwei mit Plastik umwickelte Stangen, zwei Plastiktüten und eine Matratze, das ist alles. Ikeda tanzt. Ihre ...
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Es war einmal in Gelsenkirchen. Mit vierzehn wollte er diese Glowing-in-the-dark-Stiefel haben. Nur der Preis, den er fürs Coolsein zahlte, war hoch: Sich mit seinem dicken, kleinen, spuckenden, aber spendablen Onkel ins Benehmen zu setzen, der so peinlich war, dass ihm diese Nachtglühstiefel gleich wieder zweitwichtig wurden. Onkel besaß nämlich einen Spucknapf...
