20 Jahre Tanzquartier Wien

Es war keine leichte Geburt, als das Tanzquartier Wien (TQW) vor 20 Jahren seine Pforten öffnete. Die freie Tanzszene der Stadt wollte ein selbstverwaltetes Haus. Daraus wurde nichts, weil die Stadt Wien die Eigeninteressen der Künstler*innen kannte und daher eine Intendanz favorisierte, die auch international kuratieren sollte. Tatsächlich machte Gründungsintendantin Sigrid Gareis das TQW zu einer Institution, die künstlerische Praxis, Forschung, Pädagogik sowie Theorie miteinander verband und interdisziplinär ausgerichtet war.

Trotz vieler Widerstände etablierte sie ein Tanzzentrum, das in Österreich bis heute einzigartig ist und bald international viel beachtet wurde. Unter Gareis’ insgesamt moderateren Nachfolger Walter Heun wurden ab 2009 die Konflikte entschärft. Er bemühte sich um Stabilität und ein breiteres Publikum. Für die künstlerische Forschung hatte er kein Verständnis, also schraubte er sie zurück. Seit 2018 fährt die Österreicherin Bettina Kogler ein stärker lokal orientiertes Programm mit Schwerpunkt Queerness und Diversität. Die hauseigene Theoriekuratorin wurde gefeuert und inadäquat ersetzt. Große internationale Produktionen sind heute eher beim Festival ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2021
Rubrik: side-step, Seite 17
von Helmut Ploebst

Weitere Beiträge
Abgestimmt

Den Deutschen ist die Sprache zu lang. Sie kürzen sie gern ab. Der Dachverband Tanz Deutschland zum Beispiel heißt, so knapp es geht: DTD. Zumindest bei denen, die wissen, was das ist. Insider jeder Art erkennt man daran, wie sie mit ihrer Ressource knapper Atemluft umgehen. Dabei sagt niemand: «Liebe BBs», sondern «Liebe Bürgerinnen und Bürger». Oder: «Sehr...

Prozess: Der Fall Jan Fabre

Belästigung, Erniedrigung, Psycho-Spielchen und sexuell übergriffiges Verhalten abseits der Bühne: So lauteten die Vorwürfe, mit denen Jan Fabre von einer Gruppe ehemaliger Mitglieder seiner Antwerpener Kompanie Troubleyn in einem offenen Brief konfrontiert wurde, erschienen im belgischen Kunstmagazin «Rekto:Verso» (tanz 11/18). Unmittelbarer Auslöser des...

Linz, Westschweiz, London

Freistellung in Linz 
Die Vorwürfe, die bereits seit Februar gegen Tanztheater-Chefin Mei Hong Lin (62) am Linzer Landestheater von Tänzer*innen und ehemaligen Kompanie-Mitgliedern erhoben werden, könnten kaum heftiger sein. Es geht u. a. um Machtmissbrauch, arbeitsrechtliche Verstöße, aber auch Ideendiebstahl. Aus der geballten Kritik, die über die...