Brief aus Prag
Am Bahnhof vorn am Eingang dreht der chinesische Obstverkäufer jede Erdbeere mit Spitze nach oben wie eine kleine Kanone. Im Postkartenständer prunken Fotos der berühmten Karlsbrücke, die mit vielen Heiligenfiguren bestückt und ansonsten menschenleer ist, beschienen von güldener Sonne. Prag, die Goldene, hat diesen leutelosen Anblick außer am allerfrühesten Morgen nie zu bieten.
Dafür ist die Stadt an der Moldau auf dem neuesten Stand der site-spezifischen Performancekunst: Auf und unter dieser Brücke sucht sie ihr Publikum, die Touristen.
Wir nehmen auf einem Ausflugsschiffchen Platz. Ein Künstler im albernen Matrosenshirt steuert ein paar Meter flussauf- und abwärts, deutet eloquent dreisprachig auf Gebäude und Geschichte. Karl hieß, so erfahren wir, deshalb «der Vierte», weil er vier Frauen hatte, unser Käpt’n heißt Benedikt der Zwölfte. So kichern wir, zwischen Ufer und Ufer, über allerlei billige Machosprüchlein. Der Fremdenführer will Verführer sein – statt auf Steine, schaut auf die Menschen!
Und was treibt sie um, an und weiter, in Prag? Wollte man vom zeitgenössischen Tanz darüber Aufschluss erhalten, etwa bei der diesjährigen tschechischen Tanzplattform, dann wär’s ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Brief aus Cali
Brief aus Haifa
Mensch und Maschine: welch eine Beziehung in der Kiste. Technik ist ja nicht unsinnlich. Das ist der Reiz. Es treten auf: drei Damen in Schwarz, Hosen und armfreie Oberteile, Ohrgehänge, die Haare streng zurückgesteckt. Es stehen bereit: vier Waschmaschinen, ebenfalls in Schwarz. Vorn zwei nebeneinander, weiter hinten je eine. Über Leitern betreten die Damen die...
Von zwei Auftritten in München und Stuttgart abgesehen, kennt ihn in Deutschland kein Mensch. Das könnte sich bald ändern. Acosta, als einziger Tänzer bei Decca unter Vertrag, möchte mit seiner Show «Tocororo» gastieren, auch Auftritte à la «Don Quixote» schließt er nicht aus. Womöglich kommt er sogar ins Kino. Ein Spielfilm, basierend auf seiner Autobiografie, ist...
Sarah Neef stellt sich die meisten Fragen selbst. Warum muss eine 27-Jährige jetzt schon eine Autobiografie schreiben? Ist die Tänzerin nicht zu jung dafür? Hat das «Wunderkind», das sie ihrer Meinung nach nie gewesen ist, nicht noch was vor sich? Vor allem hat Sarah Neef schon einiges hinter sich. 1981 in Böblingen bei Stuttgart geboren, verliert sie aufgrund...
