Zwischen den Welten
Zweifellos gibt es mehr vergessene als bekannte Meisterwerke, das ist keine Neuigkeit. Saison für Saison erleben wir auf Bühnen und Tonträgern erstaunliche Wiederentdeckungen, die einen begeistern, verwundern und gelegentlich auch konsternieren: Wie etwa konnte Antonio Smareglias «Nozze Istriane» unter unserem Radar durchrutschen? Eigentlich hätten die Antennen doch schon vor 25 Jahren wenigstens Echos dieser lyrischen Tragödie auffangen müssen, als ein Live-Mitschnitt aus Triest erschien! Aber der Empfänger blieb stumm. Jetzt schlägt er dafür umso lauter Alarm.
Die ausgezeichnete Einspielung des Kroatischen Nationaltheaters Rijeka dürfte eine Renaissance des in Pula geborenen Komponisten einläuten, auch wenn Anamarija Knego – in der weiblichen Hauptrolle – nicht an Svetla Vassileva heranreicht, die der älteren italienischen Aufnahme luxurierenden Glanz verlieh.
Antonio Smareglia (1854–1929) fasziniert schon allein aufgrund seiner Herkunft: kroatische Mutter, italienischer Vater, deutsche Erziehung. Stilistische Vielfalt gehört also zu seiner kaum karrierfördernden Erbschaft. Er wandte sich gegen den Verismo seines Librettisten Luigi Illica und stieß die Italiener mit seiner ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 39
von Volker Tarnow
So, wie er dastand, baumlang, erhaben, unantastbar und würdevoll, wusste man im gleichen Moment: Dieser Mann, der anscheinend durch nichts aus der Ruhe zu bringen war, verdiente, nein: er gebot Respekt. Zur Rolle passte es. An diesem milden Frühlingsabend kurz vor der Jahrtausendwende sang und spielte Matti Salminen an der Deutschen Oper Berlin in Götz Friedrichs...
Es war ein Ritterschlag. Franz Lehár, der von Zeitgenossen wie Karl Kraus oder Richard Strauss Geschmähte, durfte am 20. Jänner 1934 seine Uraufführung an der Wiener Staatsoper landen, dem musikalischen Musentempel schlechthin der alten k. u. k. Monarchie. Nicht Oper, nicht Operette: «Musikalische Komödie» hat der damals bald 64-Jährige sein letztes Bühnenwerk...
Am «Woyzeck» hat Regie-Altmeister Johan Simons einen richtigen Narren gefressen. Dreimal brachte er Georg Büchners Schauspiel auf die Bühne, zuletzt in einer Koproduktion von Burgtheater, Schauspielhaus Bochum (wo Simons seit 2018 Intendant ist) und Akademietheater. 2019 erhielt diese den Nestroy-Preis für die beste Regie. Jetzt nahm sich Simons, der in diesem Jahr...
