Zwischen den Welten
Zweifellos gibt es mehr vergessene als bekannte Meisterwerke, das ist keine Neuigkeit. Saison für Saison erleben wir auf Bühnen und Tonträgern erstaunliche Wiederentdeckungen, die einen begeistern, verwundern und gelegentlich auch konsternieren: Wie etwa konnte Antonio Smareglias «Nozze Istriane» unter unserem Radar durchrutschen? Eigentlich hätten die Antennen doch schon vor 25 Jahren wenigstens Echos dieser lyrischen Tragödie auffangen müssen, als ein Live-Mitschnitt aus Triest erschien! Aber der Empfänger blieb stumm. Jetzt schlägt er dafür umso lauter Alarm.
Die ausgezeichnete Einspielung des Kroatischen Nationaltheaters Rijeka dürfte eine Renaissance des in Pula geborenen Komponisten einläuten, auch wenn Anamarija Knego – in der weiblichen Hauptrolle – nicht an Svetla Vassileva heranreicht, die der älteren italienischen Aufnahme luxurierenden Glanz verlieh.
Antonio Smareglia (1854–1929) fasziniert schon allein aufgrund seiner Herkunft: kroatische Mutter, italienischer Vater, deutsche Erziehung. Stilistische Vielfalt gehört also zu seiner kaum karrierfördernden Erbschaft. Er wandte sich gegen den Verismo seines Librettisten Luigi Illica und stieß die Italiener mit seiner ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 39
von Volker Tarnow
Selbst Ungläubigen muss der Begriff des Heiligen Geists in den Sinn kommen, wenn siebzig Minuten vor der Uraufführung einer Oper über den heiligen Franziskus auf dem Ulmer Bahnhofsvorplatz von St. Michael zu den Wengen und St. Georg herüber plötzlich Freudengeläut zu vernehmen ist. An diesem 8. Mai bedeutet das nichts anderes, als dass im fernen Rom ein Nachfolger...
Schwör mir keine Treue, leist mir keinen Eid», singen Báron Pista und die Generalkonsulstochter Lya in einer der bekanntesten Nummern der «Frau von Format», die damals aus vielen Grammophonen tönte. 1927 kam die revueartige Operette am Berliner Theater des Westens heraus. Und natürlich ist weder Pista ein echter Baron noch Lyas Vater ein echter Generalkonsul: Wie...
Anders als Antonio Salieri mit seinem «Cublai, gran kan de’ Tartari» konnte Mozart schon zu Lebzeiten mit der «Zauberflöte» reüssieren – vor allem aber sein Mitstreiter Emanuel Schikaneder, der sich mit den Einspielergebnissen ein neues Theater baute – das «Theater an der Wien». Dass ihm dabei ein Kaufmann mit dem wie von Nestroy erfundenen Familiennamen Zitterbart...
