Zwischen den Fronten
Wer in diesem Sommer am Weimarer Theaterplatz vorbeischlendert, wird im Rücken der Herren Goethe und Schiller eines bemerkenswerten Spruchbands ansichtig. Am Balkongeländer des Deutschen Nationaltheaters steht da zu lesen: «Diplomatie! FRIEDEN! Jetzt!» Das Transparent hängt dort seit jenen Tagen, da Wladimir Putin seinen verbrecherischen Angriffskrieg auf die Ukraine befahl, und sorgt verlässlich für hitzige Debatten in der Weimarer Bürgerschaft. Die einen sehen darin die Solidarität mit der Ukraine aufgekündigt, lesen daraus das Postulat nach dem Ende aller Waffenlieferungen.
Andere, zu ihnen zählt mit Generalintendant Hasko Weber der für den Aufruf Verantwortliche, wollen darunter lediglich ihre Mahnung verstanden wissen, dort keine Fronten aufzubauen, wo sie nicht hingehören. Die Forderung nach Frieden, so Weber, sei immer aufrechtzuerhalten.
Wozu es nämlich führt, wie folgenreich-verheerend es dort zugeht, wo zwischenmenschliche Fronten sich verhärten, wird drinnen auf der Opernbühne exemplifiziert. «I Capuleti e i Montecchi» ist Vincenzo Bellinis Anverwandlung von Shakespeares Tragödie «Romeo und Julia», allerdings im Libretto Felice Romanis – mit weiter gefasstem und nicht ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Werner Kopfmüller
Fontane-Liebhaber kennen diese Frau, ihr trauriges Schicksal. In seiner Novelle «Grete Minde» aus dem Jahr 1880 zeichnet der Schriftsteller ein vielschichtiges Porträt dieser Unglücklichen, der das Leben so viele Fallen stellt, bis sie schließlich – in einem Akt dramatisch-verzweifelter Auflehnung – eine ganze Stadt in Brand setzt. Die Geschichte der Grete Minde...
Ich kann die Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt. Mehr! Mehr! Ich bitte dich.» Nur zu gerne möchte man sich der schwärmerischen Emphase des Höflings Jacques aus William Shakespeares Lustspiel «Wie es euch gefällt» anschließen, wenn man das erste Solo-Album des jungen englischen Countertenors Alexander Chance hört. Fast anzunehmen, dass...
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
