Schlechte neue Welt
Kein Zweifel ist möglich: Dieser Pinkerton strahlt die Präpotenz von Macht und Geld mit jeder Pore seines Seins aus. Seine Untergebenen der Marine maßregelt er knapp jenseits der Grenze der Erniedrigung, die Kopie des über den Heiratsvermittler Goro (Yannis Kalyvas) abgegebenen Eheversprechens zerreißt er direkt nach der Unterschrift in kleine Schnipsel, Suzukis Fächer zertrümmert er aus einer Laune heraus. Und da seine militärische Aufgabe in Japan kaum irgendwelche Herausforderungen zu bieten scheint, nimmt er zu jeder Tageszeit einen kräftigen Schluck aus der Whiskeyflasche.
Derart enthemmt, ist ihm längst der letzte Rest an Respekt vor der fremden Umwelt abhandengekommen, in der er für begrenzte Dienstzeit zu Gast ist: Als ihr Onkel Bonze (Petros Magoulas) seine Nichte Cio-Cio San dafür geißelt, den Glauben ihrer Vorväter durch ihre Hochzeit mit dem Eindringling aufgegeben zu haben, und sie folglich aus der Familie verstößt, haut ihm der frischgebackene Ehemann mal eben den traditionellen Kopfschmuck von Haupt. Schlechtere Manieren kann ein Leutnant der United States Navy kaum besitzen, transkulturelle Kompetenz ist ein Fremdwort für ihn.
Das Image der Stars and Stripes hat ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Krause
Die französische Barockoper fristete lange Zeit ein Aschenbrödel-Dasein im Bewusstsein der Musikwelt und tut dies hierzulande noch immer. Der deutsche Opernfreund, der sie auf der Bühne viel zu selten erlebt, ist weiterhin auf den Tonträgermarkt angewiesen, kann aber, was noch vor 30 Jahren niemand vorauszusagen gewagt hätte, in die Vollen greifen. Das...
JUBILARE
Gisela Ehrensperger kam am 10. August 1943 in Wiesbaden zur Welt. Nach einem privaten Gesangsstudium in Zürich wechselte sie im Rahmen ihres ersten Engagements 1965 nach St. Gallen und wurde zwei Jahre später ans Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz verpflichtet, dem sie bis 2007 als Ensemblemitglied angehörte. In ihrer mehr als 40-jährigen...
In ihrem neuesten Soloalbum spürt die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus einer Gattung nach, die mit dem Ende des Barockzeitalters ausstarb – der weltlichen Solo-Kantate. Ihren Höhepunkt besaß diese um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert in Italien und Frankreich. Mit Stoffen vornehmlich aus dem Bereich der Bukolik, aber auch der antiken Mythologie,...
