Zwielichtig
Als Matthias Goerne vor vier Jahren mit dem russischen Star-Pianisten Daniil Trifonov als Klavierbegleiter eine Neuaufnahme von Schumanns «Dichterliebe» vorlegte, herrschte fast einhellige Begeisterung über die in ihrer schmerzlichen Schönheit gleichermaßen schlichte wie visionäre Interpretation. Umso gespannter war man jetzt auf das Erscheinen des «Liederkreises» op. 39 nach Gedichten Joseph von Eichendorffs.
Gewiss, statt des genialen Russen mit seiner phänomenalen Nuancierung des Anschlags sitzt hier Markus Hinterhäuser, der im Frühsommer geschasste Ex-Intendant der Salzburger Festspiele, am Flügel. Ihm ist es dennoch am wenigsten anzulasten, wenn diese Einspielung, die unter dem Titel «Zwielicht» neben dem «Liederkreis» auch noch drei der Harfner-Gesänge aus Goethes «Wilhelm Meister»-Roman sowie den kleinen späten Liedzyklus auf «Gedichte der Königin Maria Stuart» umfasst, auf ganzer Linie enttäuscht. Hinterhäuser wird sowohl dem ekstatischen Ton der Eichendorff-Lieder wie der gleichsam weltenthobenen «Todesfreudigkeit» der Maria Stuart-Lieder mit wacher Aufmerksamkeit und sensibler Genauigkeit gerecht. Es ist Goerne, der mit routiniert-altersgrauer, wenig begeisterungsfähiger ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Medien, Seite 59
von Uwe Schweikert
Ach, Kinder, was waren das doch für Zeiten, die viel besungenen «Goldenen Zwanziger», besonders im Großstadtdschungel von Berlin, wo es noch am einfachsten war, sich zwischen Rausch und Ruin, Inflation und Inspiration, Kapitalismus und Kunst, Wahn und Witz hindurchzuschlängeln. Den Soundtrack zu dieser ausgelassenen Stimmung, die das in der Metropole herrschende...
Bis heute übt Johann Wolfgang von Goethes «Erlkönig» eine große Faszination auf Komponisten aus. Etwa 40 Vertonungen der Ballade hat die Pianistin Doriana Tchakarova identifiziert, dreizehn davon (die jüngste stammt vom 1967 geborenen Stefan Schulzki) hat sie nun mit dem Bariton Johannes Held aufgenommen. Was reizt zur musikalischen Gestaltung? Die Dramatik des...
Ein Klavier ist ein Klavier ist ein Klavier? Weit gefehlt. Schon ein oberflächlicher Vergleich zeigt, wie beträchtlich die Unterschiede zwischen jenen Tasteninstrumenten, die im Barock, in der Klassik und noch in der Romantik verwendet wurden, und einem modernen Konzertflügel sind. Die Musikwelt teilt sich hierbei in zwei Parteien: Die eine frönt dem historisch...
