Zweierrennen
Grenzen zu überwinden, ist ein Menschheitstraum: die Schwerkraft (Fliegen), den Tod (Medizin), das noch Unbekannte, dem sich die Entdecker, oft auch Eroberer verschrieben. Wo noch nie ein Mensch war, will man hin, als Erster natürlich. Es ist ein primär männlicher Impuls der Weltbeherrschung, zugleich mystisch-mythisch-metaphysisch unterfüttert. «L’aqua, ch‘io prendo, giammai non si corse» («Das Gewässer, das ich im Sinn habe, hat noch niemand befahren»), heißt es schon in Dantes «Divina Commedia».
Wobei utopischer Ansatz und kolonialistischer Vorsatz nicht selten Hand in Hand gingen – und sich um die großen Pioniere kollektive Wunschbilder, Legenden kristallisierten.
So wie Columbus mehr als ein Seefahrer war, Marco Polo nicht nur ein Ostasien-Reisender, so galt Vasco da Gama über den Abenteurer hinaus den Europäern als Entdecker Indiens. Aber all den Forschern wie Eroberern war eines gemeinsam: Sie suchten «Fremde Länder und Menschen», von denen sie und ihre Regierungen sich einiges versprachen. In den weiten Eiswüsten indes war nichts zu holen: Am Mount Everest, Nord- und Südpol konnte man allenfalls erfrieren. Umso mehr trieb der Ehrgeiz. Deshalb konnten Columbus bei Alberto ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard R. Koch
Johannes-Passion» von Carl Philipp Emanuel Bach – ein Druckfehler? Nein. Denn wie der Vater, so der Sohn. Dessen Passion geriet indes deutlich kleiner und kommt nicht nur aus eigener Herstellung: Sie ist auch Konglomerat von Werken unterschiedlicher Komponisten der Zeit. Von welchen genau, das ist, wenngleich der große JSB durchklingt, nicht aufgeklärt. Das...
Fast hundert Inszenierungen hat er seit 1990 erarbeitet. Von Wien und Salzburg bis Mailand, von Hamburg, Berlin und Paris bis London gehört der gebürtige Frankfurter zu den gefragtesten Regisseuren seiner Generation. Gerade bereitet Claus Guth sein Debüt in Glyndebourne vor: Mozarts «Titus». Mit Unsuk Chin plant er ein neues «Alice»-Stück, mit Michael Jarrell eine...
Manchmal dokumentieren DVD-Mitschnitte aus großen Häusern, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird – wie in der Provinz. Etwa wenn es um Verdi geht. Erstes Beispiel: «I due Foscari» am Royal Opera House in London. Ein finsteres Kammerspiel machtpolitischer Ränke, mit dem Verdi die Choropern seiner Anfänge endgültig hinter sich ließ. Thaddeus Strassberger...
